Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Ost und West : 3. Theil (1865)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

*

191

nie mehr trennen? Es lag der Inbegriff alles Glückes und aller Seligkeit in dieſer Vorſtellung, und er be⸗ durfte der ganzen Kraft ſeiner Seele, um ihr zu widerſtehen und ihr entgegen zu treten. Konnte und durfte er ihr Schickſal jetzt an das ſeine feſſeln? Sie losreißen aus ihren jetzigen Verhältniſſen, aus ihren behaglichen Gewohnheiten, um ſie zu überreden, mit ihm zu fliehen? Sie nicht nur den Gefahren einer ſo weiten Reiſe, ſondern durch ihn den weit grö⸗ ßeren der Verfolgung auszuſetzen? Er war ein ver⸗ fehmter, vogelfreier, dem Haſſe einer fanatiſchen Bevöl⸗ kerung ausgeſetzter Flüchtling, und wenn er an die unge⸗ heure Strecke dachte, die er zurücklegen mußte, um wieder die erſten Vorpoſten ſeiner Kameraden zu erhlicken, ſo zweifelte er daran, ob er jemals dieſen Augenblick er⸗ leben würde.— Zu ſolchen Unternehmungen ſollte er ſie bereden, das ſollte der Lohn, der Dank ſein für Alles, was ſie für ihn gethan? Er wollte, weit entfernt, ſich damit zu begnügen, ſie zu neuen Opfern hinreißen— Liebe und Ehre kämpften in ihm einen langen und har⸗ ten Kampf— aber die letztere trug dennoch, ſo ſehr ſein Herz auch blutete, den Sieg davon.— Rein, ſagte er mit einem Blicke, in welchem alle Liebe und alle Hingebung ſeiner Serle ſich ausdrückte, nein— dies muß ich allein vollbringen, und dann, wenn es mir gelungen iſt, wenn