eine Stunde verging zwiſchen dem vergeblichen Bemühen, wieder einzuſchlafen, und der ängſtlichen und aufregenden Erwartung, das Geräuſch der abziehenden Gefangenen zu hören.
Die erſten, matten Anfänge des dämmernden Mor⸗ gens begannen durch das Zimmer zu ſchweben, als der Ton von Stimmen von unten an ihr lauſchendes Ohr ſchlug— es war wie damals, vor einigen Wochen, und wie damals— litt es ſie nicht länger im Bette.
Wieder ſtand ſie am Fenſter und blickte in den Hof hinab und den Abziehenden nach— aber es war nicht mehr das Gefühl des Nitleids und der Trauer allein, von dem ſie erfaßt war, es durchflog ſie eine fieberhafte Angſt und Auftegung bei der ſich immer mehr ſteigernden Ungewißheit— ob er mit denen zöge, die jetzt ihren nachſchauenden Blicken entſchwanden— oder ob ihr Wille ihn zurückgehalten.— Es wäre ihr unmöglich geweſen, nur noch an das Schlafen zu denken, und obgleich es zu einer ungewöhnlich frühen Stunde, erſt ſieben Uhr war, klingelte ſie ihrem Kammermädchen, ließ ſich ankleiden und ſetzte ſich an das andere Fenſter ihres Zimmers, von welchem aus ſie über die Gipfel der Bäume die dunkeln Umriſſe des alten Schloſſes ſehen konnte. Iſt Petrowitſch vielleicht ſchon dageweſen? fragte ſie


