Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Ost und West : 3. Theil (1865)
Entstehung
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ſeeliſchen Kräfte zu folgen und ſich ihr zuzuwenden. Ohne die Pflege einer Mutter aufgewachſen, faſt immer auf ſich ſelbſt oder den Umgang in dienſtlichen Verhältniſſen ſtehen⸗ der Perſonen angewieſen, würde ſie ſich zu einer Selbſt⸗ ſtändigkeit des Charakters entwickelt haben, welche in Stolz und Härte ausgeartet wäre, wenn ihr für alles Edle und Hohe empfängliches Herz und ihre lebhafte, oft faſt ungezügelte Phantaſie ſie nicht davor bewahrt hätten. Sie liebte ihren Vater und wurde von ihm geliebt; bei beiden war dieſes Empfinden jedoch mehr das Reſultat des Verſtandes und der Gewohnheit als die Ausſtrömung einer wahren und innigen Neigung des Herzens.

Sie zog ſich an jenem Abende, Müdigkeit vorſchützend, bald wieder zurück, und ihr Vater hinderte ſie nicht daran, obgleich es ihm geſchienen hatte, daß ſie heute keineswegs ermüdet, ſondern im Gegentheil aufgeregt ſei. Er lächelte ſelbſtgefällig vor ſich hin, als ſie ihn verlaſſen, in der an⸗ genehmen Ueberzeugung, ſie werde nach der Rückkehr des Fürſten, nach welcher ſie ſich ja mehrmals ſelbſt und an⸗ gelegentlich erkundigt hatte, ihr Schweigen brechen und ſeinen Antrag annehmen.

Von all ſeinen Annahmen war nur die eine richtig, daß ſie ſehr aufgeregt ſei. Dieſer Zuſtand ihrer Seele trat noch mehr hervor, als ſie ſich allein und ohne jeden fremden Beobachter auf ihrem Zimmer befand, denn ſie