Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Ost und West : 3. Theil (1865)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29

Mit beklommenem Herzen fuhr ſie weiter und ſchloß unwillkürlich die Augen, um nicht wieder dieſe dem ſiche⸗ ren Tode geweihte Schaar in der unmittelbarſten Nähe zu ſehen. Als aber das Geräuſch ihrer Schritte und das Rufen der begleitenden Koſaken an ihr Ohr ſchlug, ver⸗ mochte ſie dennoch ihre Blicke nicht abzuwenden, nicht aus Neugierde, ſondern gefeſſelt durch jene unwiderſtehliche Macht, mit welcher uns das Tragiſche oder das Gräßliche in ſeinen Bereich zieht.

Die Enge des Weges geſtattete nicht, raſch vorüber zu fahren, und als ſie bemerkte, daß die Koſaken die er⸗ mattet hinwankenden Gefangenen mit den Lanzen auf die Seite trieben, um dem Schlitten Raum? 3, ſchaffen, befahl ſie Petrowitſch, ſtill zu halten.

So zogen ſie denn langſam, ſchweigend, mitd Hoff⸗ nungsloſigkeit des Leidens, den Schlitten kaum Pachtend, vorüber. Zuweilen hob ſich ein matter, trüber Blick em⸗ por und ſchweifte nach dem eleganten Fuhrwerke mit der ſchönen, in warmen Pelz gehüllten Frauengeſtalt hinüber, aber es lag keine Frage, kein Verwundern, kein Forſchen mehr in dieſen Blicken, ſondern nur die ſtumpfe, durch ein Uebermaß von Leiden erzeugte Gleichgültigkeit, die ſich nach dem Ende ſehnt.— Der Zug wollte nicht enden, es war eine größere Zahl Gefangener, und die Enge des Weges geſtattete es nicht, in breiten Reihen zu marſchi⸗