Erſtes Capitel.
Als Hedwig einige Tage nach der Unterredung mit ihrem Vater ſich gegen Abend, ein Unwohlſein vorſchützend, der Geſellſchaft entzogen hatte und einſam auf ihrem Zim⸗
mer ſaß, waren es ernſte und melancholiſche Betrachtun⸗ gen, welche durch ihre Seele zogen und ihr Auge mit weh⸗ muthsvoller Trauer umflorten.
Die Sonne ging klar und friedlich, aber kalt unter, das Abendroth lag wie ein glänzender, duftiger Schleier über der Gegend und über dem ruhig dahinziehenden, breiten Strome, auf welchem einzelne Schiffe mit fremd⸗
3 artigen Segeln hinabſchwammen und auf dem glatten Spiegel des Waſſers ſchnell verſchwindende Furchen zu⸗ rückließen; den öſtlichen Horizont begränzten die ſcharf hervortretenden Linien waldbewachſener Höhen, deren
Fuß bereits der purpurne Duft des Abends mit der wei⸗
ten Ebene vereinte— die Erde hüllte ſich in den Mantel
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