eben ſo wenig das dem Menſchen überhaupt zugetheilte Maß von Wohlbefinden oder Glück erreichen, wie der⸗ jenige, welcher ehne alle Mühe und Anſtrengung jedes Gelüſte und jeden Wunſch zu befriedigen im Stande iſt.
Die Oberſtin begann nunmehr einen zweiten, wich⸗ tigen Theil ihrer Tagesbeſchäftigung, ihre Toilette. Da ſie ſich der Gränze näherte, auf welcher angelangt das Weib mit einer ſehnſüchtigen und melancholiſchen Stim⸗ mung rückwärts blickt nach den Tagen, die vergangen find, der ſchönen, leider ſo flüchtigen Jugend, und deßhalb be⸗ müht iſt, die erſten leiſen, aber doch unverkennbaren Mahnungen des ſich nahenden Alters vor fremden Augen ſo viel als möglich zu verbergen, ſo beſchäftigte auch ſie ſich jetzt weit mehr mit ihrem Anzuge, als dies ſonſt ge⸗ ſchehen war, obgleich man nicht hätte ſagen können, daß die Zeit, welche ſi ſie früher darauf verwendet, zu kurz be⸗ meſſen geweſen wäre.
Ihre Kammerfrau, ebenfalls eine Franzöſin und ſelbſt in einem ähnlichen zweifelhaften Alter ſtehend, war in dieſen Dingen und Künſten vollſtändig erfahren und ein⸗ geweiht. Wir wollen ihr bei der Ausübung derſelben weiter nicht Geſellſchaft leiſten, denn es gewährt wenig Intereſſe, dabei zuzuſehen, obgleich die Oberſtin, wie be⸗ reits bemerkt, noch eine hübſche Frau war. Wir be⸗ ſchränken uns vielmehr darauf, zu berichten, daß ſie,


