209
bung. Wie kann dies aber auch anders ſein? Die große Nation beherrſcht ganz Europa, warum ſoll ſie ſich nicht die große nennen und jeder Einzelne ſich als ein Stück die⸗ ſer Größe fühlen— wir müfſen's ertragen und dulden, wie ſo vieles Andere. Dennoch iſt Paris immerhin eine ſehenswerthe Stadt, und ich wünſchte, Sie wären bei mir und wir könnten zuſammen ſehen, oder beſſer, hätten zu⸗ ſammen ſehen können, was ich ſchon geſehen habe. Glau⸗ ben Sie ja nicht, daß ich Sie mit einer langweiligen Schil⸗ derung von Galerien, Kirchen und dergleichen unterhalten will— nein, ich will Ihnen etwas Anderes erzählen, was Sie gewiß intereſſiren wird.
„Ich ging vorgeſtern gegen Mittag in den Champs Elyſtes ſpazieren, wie ich gewöhnlich um dieſe Zeit hier thue, denn die vielen Wagen, Reiter und Menſchen, über⸗ haupt das ganze Getreibe gewährt Unterhaltung. Indem ich ſo nach meiner Art zuweilen ſtehen bleibe, um mir Dies oder Jenes genauer anzuſehen, fährt ein Wagen dicht an mir vorbei, in welchem ein Herr und eine Dame ſitzen.—
Es war Margot, lieber Herr Rohneck, und obgleich ich
wußte, daß ſie ſich in Paris aufhalte und ich mir feſt vor⸗ genommen hatte, ſie nicht aufzuſuchen, ſo war ich doch ſo überraſcht, daß ich laut ihren Namen rief. Sie wandte den Kopf nach mir um, aber ſie bedurfte einer gewiſſen Zeit, ehe ſie mich erkannt, da ſie ja keine Ahnung davon hatte, daß ich in Paris ſein könnte.
Gräfin und Marquiſe. 1V. 14


