Teil eines Werkes 
3. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

haltbarkeit ſie immer bald wieder erkannte, jagten ſich in ihrem Innern.

Allmählig wurde ſie ruhiger, und die Ueberzeugung, daß es unmöglich ſei, ſie gegen ihren Willen zu zwingen, glättete nach und nach die hochgehenden Wogen ihres Em⸗ pfindens. Sie kam zu dem Entſchluſſe, ſich leidend zu ver⸗ halten, aber auch in kleinen Dingen, welche ſich auf die An⸗ knüpfung oder das Einleiten dieſes Verhältniſſes beziehen könnten, niemals nachzugeben. Vielleicht würde man ſie dann wieder fortſchicken ach, wie gern wäre ſie gegan⸗ gen in die Einſamkeit irgend eines ländlichen Aufenthaltes oder nach der Fichtenau!

Als ſie ſpäter, es war gegen Abend, herunter kam, waren ihre Eltern Beide ausgefahren, wohin, wußte man nicht. Die Stille des großen Zimmers machte einen wohl⸗ thuenden Eindruck auf ſie; ſie ſetzte ſich an das Fenſter, deſſen Ausſicht auf den Hof ging, den ein ſchweres eiſernes Gitter von der Straße trennte. So ſaß ſie längere Zeit, und ihre Gedanken zogen hin und her, hinüber und her⸗ über, ungebunden an Raum und Zeit, im bunten Spiele mit der Vergangenheit und der Zukunft, tändelnd mit der Erinnerung und der Hoffnung. Um ihren Mund lag der Widerſchein dieſes wehmüthigen Empfindens bald ein leiſes Lächeln, bald ein ſchmerzliches Zucken es war faſt wie ein Traum, den ſie im Wachen träumte einer jener

wunderbaren Momente, worin die Seele der Gegenwart