Teil eines Werkes 
3. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

Wie oft hatte er das unſcheinbare Papier geküßt, geleſen und wieder geleſen— aber was nutzte das Alles — je mehr er nachdachte und grübelte, je mehr empfand er, daß Wehring Recht gehabt— daß er ſie für immer verloren habe.

Er blieb nur noch den folgenden Tag, ſo dringend ihn Wehrings auch baten, ſeinen Beſuch zu verlängern— es war ihm unmöglich. Er ging auf alle die Stellen, von denen er wußte, daß ſie dort gern und länger verweilt hatte, an denen er ſo oft vereint mit ihr geſtanden oder geſeſſen — er ging ſogar, als er ſich unbeachtet glaubte, hinauf auf ihr Zimmer— aber der jetzt leere Raum, wo ſie noch vor ſo kurzer Zeit geweilt, in welchem alle ſtummen Ge⸗ genſtände von ihrem Thun und Wirken Zeugniß gaben— erneuerte und vergrößerte nur ſeinen Schmerz und ſtei⸗ gerte ihn bis zur Erſchöpfung ſeiner Kraft.

Fort, fort! rief er, ſich mit wildem, ſcheuem Blicke in dem Zimmer umſehend— fort von hier, wo mich Alles an mein Unglück mahnt— draußen, wo mich nichts mehr an ſie erinnert, draußen unter fremden Menſchen, unter fremder Umgebung— wo ich nur noch meine eigenen Ge⸗ danken habe— wird es erträglicher werden.—

Nach einem herzlichen, aber traurigen Abſchie de ver⸗ ließ er am anderen Morgen die Fichtenau. Sein Koffer, welcher ungeöffnet geblieben war, wurde ihm nachgetra⸗ gen, denn er hatte es abgelehnt, zu fahren. Schweigend