Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
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Solche und ähnliche Gedanken beſchäftigten ihr jun⸗ ges, unerfahrenes Herz, und ſie empfand zum erſten Male die Qualen einer getäuſchten Erwartung. Eine ge⸗ täuſchte Erwartung! Ach, wie oft unterliegt der Menſch auf ſeiner Reiſe durch das Leben dieſen Qualen! Von demjenigen, was er voll jugendlicher Begeiſterung gehofft, vermag er, am Ziele angelangt oder ſich demſelben nä⸗ hernd, kaum die Trümmer zu bergen, und gelangt endlich zu der entmuthigen den Ueberzeugung, daß ſein ganzes irdi- ſches Streben und Daſein mehr oder weniger nichts gewe⸗ ſen ſei, als eine getäuſchte Erwartung.

Sie hatte ihm heute ihre Arie nicht vorſingen, den Schluß eines Trauerſpiels, wonach ſie verlangte, nicht mit ihm leſen können, und dieſe an ſich ſo geringfügigen Kleinigkeiten verſtimmten ſie und nahmen ihr ganzes Den⸗

ten und Fühlen in Anſpruch wir lächeln über dieſe

ktindliche, vielleicht kindiſche Empfindung und Empfindlich⸗ 8

keit, aber wir bedenken nicht, daß uns, die wir älter, viel

leicht vielleicht viel älter find und uns für klug und erfah 3

ren halten, häufig noch viel geringfügigere Dinge verſtim⸗ men und für uns und unſere Umgebung unleidlich machen, ohne daß wir die Macht und die Kraft beſitzen, die Tyran⸗ nei dieſer uns knechtenden Stimmung abzuſchütteln. Doch was nützt es, über dieſe Dinge zu reflectiren, es iſt ja eben das Beklagenswerthe in der unvollkommenen menſchlichen Natur, daß ſie im Stande iſt, ihre Fehler zu erkennen und