164
Zwei Wochen vergingen nach der Abreiſe des Eil⸗ boten, die Zeit erſchien, wo Albert ſeine Reiſe zurückge⸗ legt haben konnte, und die Sehnſucht hatte in Blancha's Herzen ihren Höhepunkt erreicht; ſie zählte die Stunden, die Minuten, bis ſie den Geliebten ſehen, ihm in die
Arme fliegen würde, Tag und Nacht lauſchte ſie bei jedem
Geräuſch, jedem Fußtritt in der Straße, und bei jedem Ertönen der Schelle an der Hausthür fuhr ſie mit be⸗ ſeligendem Schreck zuſammen.
Es war Abend. Blancha hatte den Tag abermals in vergeblichem Hoffen und Sehnen hingebracht und die Freundin Newberrh zu ſich bitten laſſen, um ihr ihre Ungeduld zu klagen. Die gute, theilnehmende Frau rechnete ihr vor, daß Albert ja unmöglich ſchon hier ſein könne, auch wenn alle Zufälligkeiten günſtig für die ſchnelle Reiſe des Eilboten gewirkt und die Um⸗ ſtände ſowie die Verhältniſſe Albert's ſeine ſofortige Abreiſe zugelaſſen hätten, Blancha aber hatte eine ganz andere Rechnung gemacht, ſie hatte die Meilen auf den Flügeln der Liebe, die Stunden mit dem Maße ihrer Sehnſucht gemeſſen.
„Ja, ja, beſte Newberry, er könnte hier ſein, wenn ihm
nichts Hinderliches in den Weg gekommen wäre Wenn es nur
nichts Unangenehmes für ihn war, wenn ihm nur kein Unglück zugeſtoßen iſt!“ ſagte ſie in wachſender Aufregung.
5
—


