Lieblingskindern! Immer heiter, immer froh, immer genußreich entrollt mir ein Tag nach dem andern, und dieß ſtets ohne mein Zuthun;z mich ſucht die Luſt— nicht ich ſie.
Heut' aber ſollte ſich mein Gluͤck bis in's Unendliche erhöhen. Muͤde vom vielen Tanzen, ermattet vom Hoͤren und Sehen, den Kopf voll bunter Gaukeleien, wollte ich eben aus meinem lyoner Ballkleide in's Nachtkorſet ſchluͤpfen, als die Kammerfrau der Fuͤrſtin mich zu der Letztern entbot.
Was kann ſie wollen? dachte ich. Vor zwei Mi⸗ nuten erſt verließ ich fie, jetzt, Morgens drei Uhr! Muͤde vom Ball! Schon im halben Negligee?
Indeß, trotz allen meinen Betrachtungen, mußte ich dem Befehl gehorſamen— und ſo ſtand ich, halb ſchlaftrunken, faſt mit zufallen⸗ den Augen, vor der Fuͤrſtin, in deren Hauſe ich die Stelle eines Geſellſchaftsfraͤuleins beklei⸗ dete, und fuͤr deren Liebling ich nebenbei galt.
Ich fand die Furſtin ziemlich verduͤſtert, mit einem Briefe in der Hand auf'm Sopha ſizend. Erwin, ſprach ſie, mein gutes Kind, ich bekomme da eben ein Schreiben von der re⸗


