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Einundvierzigſtes Kapitel. Eine wahrhafte Spukgeſchichte.
Auf Legree's Gute wurde zu jener Zeit aus beſondern Gründen mehr als je an Geſpenſtergeſchichten geglaubt. Un⸗ ter Geflüſter erzählte man ſich, daß in der Stille der Nacht Fußtritte gehört worden, welche von der Dachtreppe herab⸗ kamen und durch's ganze Haus gingen. Es war vergebens daß man die Thüren ſchloß, entweder hatte der Geiſt einen Nachſchlüſſel, oder er machte das Geiſtervorrecht, durch's Schlüſſelloch zu ſchlüpfen, geltend, und ſpazierte umher, indem er Schrecken und Unruhe verbreitete. Ueber die Geſtalt und das Ausſehen wichen die Anſichten ſo von einander ab, daß jeder eine andere hatte, wie dies gewöhnlich mit ſolchen Er⸗ ſcheinungen iſt, ſo viel aber ſtand feſt, daß etwas umging.
Das Gerücht darüber kam auch zu Legree's Ohren, und mußte
um ſo mehr auf ihn einwirken, als man ſich die größte Mühe gab, es vor ihm zu verbergen. Er trank deswegen mehr als ſonſt und ſchwur, daß er ſich vor nichts fürchtete.
Am Tage nach Tom's Beerdigung ritt er in die nahe Stadt, um ſich durch ein Trinkgelage zu zerſtreuen, und kam ſpät in der Nacht zurück, ſchloß ſein Zimmer feſt zu, und legte ſich ſchlafen. Wie viel Mühe ſich der Menſch auch giebt, es nicht anzuerkennen, ſo iſt doch die Seele für den Böſen ein furchtbares und unruhiges Beſitzthum. Welch ein Thor iſt er, alles vor einen Geiſt verſchließen zu wollen, da er doch in ſich einen Geiſt hat, den nichts zu unterdrücken und zu ban⸗ nen vermag.
Legree legte ſich zu Bette, nachdem er eine Lampe vor ſein Bett geſtellt und ſeine Piſtolen neben ſich gelegt hatte, und beſchloß zu ſchlafen. Er ſchlief, ja, denn er war müde, aber bald legte ſich etwas über ihn, gleich einem Schatten; es kam ihm vor, als ob es das Leichentuch ſeiner Mutter wäre, er hörte Geräuſch obgleich er wußte, daß er ſchlief. Er gab ſich Mühe, aufzuwachen. Endlich drehte er ſich um, die Thüre war offen und eine Hand löſchte das Licht aus. Da Mondſchein war, ſo ſah er etwas Weißes ſich bewegen, auf ſich zukommen, und eine kalte Hand berührte ihn und ſprach mit leiſem Flüſtern:„Komm, komm, komm!“ und als er


