202 Feſſeln und ein fliegender Orkan peitſchte über die Wo⸗ gen und trieb deren Giſcht heulend und pfeifend vor ſich her. Die gute Barke bäumte ſich hoch gegen die furchtbare Gewalt der rollenden Flutenberge, ſie zitterte und ſtöhnte in allen ihren Fugen und ſchoß in die gähnenden Schlünde hinunter, als wolle ſie ſich unter der nächſten Rieſenwelle begraben; aber immer warf ſie ſich ſchüttelnd die über ſie ſtürzenden Seen von ihrem Rücken ab und ſtieg wie ein bäumendes Roß aus dem Waſſergrabe empor. Die Nacht brach herein und bald war der letzte Schimmer von Helligkeit verſchwunden, eine rabenſchwarze Finſterniß lag auf Schiff und Meer, für das Auge gab es keinen Wirkungskreis mehr und das Ohr wurde von den Sturmaccorden erſchüttert und betäubt.
Harry ſtand auf dem hintern Verdeck an den Maſt gelehnt und dachte an ſein ruhiges Leben bei Morgan, als plötzlich eine Woge ſich donnernd gegen die Seite der Barke warf, an ihr emporſtieg und das ganze Schiff überflutete.
Harth klammerte ſich an dem Maſt feſt, um nicht von der Welle mit fortgeriſſen zu werden; Holcroft aber, der neben ihm ſtand, griff nur nach einem ſchwa⸗ chen Tau, um ſich aufrecht daran zu halten.
In dem Augenblick, als die Barke ſich hob und die
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