An der xhůr hetellie er jedoch einen Augenb das Zimmer und ſagte mit einigem Zaudern:
„Mary, ich weiß nicht, was Du dabei fühlen würdeſt, aber die ganze Kom⸗ mode liegt voll von Sachen— von dem armen kleinen Henry.“—
Mit dieſen Worten wendete er ſich ſchnell auf dem Abſatze um und ſchloß hinter ſich die Thür.
Seine Gattin öffnete das Schlafzimmerchen, welches an ihr Gemach ſtieß, ſetzte das Licht dort auf eine Kommode, nahm aus einer kleinen Niſche einen Schlüſſel, ſteckte ihn gedankenvoll in das Schloß eines Schubkaſtens und machte eine plötzliche Pauſe, während zwei Knaben, die ihr dicht auf dem Fuße gefolgt waren, dabei ſtanden und mit ſtummen, bedeutſamen Blicken auf ihre Mutter ſchauten. Sie öffnete langſam den Kaſten. Hier lagen kleine Röcke von ver⸗ ſchiedenen Formen und Muſtern, Haufen von Schürzchen und Reihen von klei⸗ nen Strümpfen, und aus den Falten eines Papiers ſchauten ſogar ein Paar an den Zehen abgenutzter und beriebener Schuhe hervor. Auch Spielſachen, ein hölzerner Wagen mit Pferden, ein Kreiſel, ein Ball lagen hier— Andenken, die ſie unter Thränen und mit halb gebrochenem Herzen zuſammen getragen hatte. Sie ſetzte ſich bei dem Kaſten nieder, ſtützte den Kopf auf ihre Hand und weinte, daß ihr die Thränen zwiſchen den Fingern hindurch in den Kaſten hinab fielen. Dann erhob ſie plötzlich den Kopf und begann mit ängſtlicher Haſt die einfachſten dauerhafteſten Gegenſtände auszuwählen und ein Bündelchen daraus zu machen.
„Mama,“ ſagte einer von den Knaben, indem er leiſe ihren Arm berührte, „willſt Du dieſe Dinge weggeben?“
„Meine lieben Kinder,“ ſagte ſie ſanft und ernſt,„wenn unſer lieber guter kleiner Henry vom Himmel herabblickt, ſo wird er ſich freuen, daß wir dies thun. Ich wäre nicht im Stande, die Sachen einer gewöhnlichen Perſon— einem glücklichen Menſchen zu geben, aber ich gebe ſie einer Mutter, die unglück⸗ licher und betrübter iſt wie ich, und ich hoffe, daß Gott dazu ſeinen Segen ver⸗ leihen wird.“
Es giebt in dieſer Welt Menſchen, aus deren Schmerzen Freuden für An⸗ dere aufwachſen, deren unter Thränen in das Grab geſenkte irdiſche Hoffnungen der Samen ſind, aus welchem heilende Blumen und Balſam für Troſtloſe und Bekümmerte hervorkeimen. Zu dieſen gehörte die zarte Frau, welche hier bei der Lampe ſaß und unter Thränen die Andenken ihres eigenen verlorenen Kindes für den verſtoßenen Wanderer zuſammenſuchte.
„Nach einiger Zeit öffnete Mrs. Bird den Kleiderſchrank, nahm ein paar
einfache, brauchbare Kleider daraus und ſetzte ſich an ihr Arbeitstiſchchen und begann mit Nadel, Scheere und Fingerhut in aller Stille das„Auslaſſen,“ welches ihr Gatte empfohlen hatte, und ſo blieb ſie beſchäftigt bis die alte Wanduhr in der Ecke Zwölf ſchlug, und ſie das leiſe Raſſeln von Rädern an der Thür hörte.
„Mary,“ ſagte ihr jetzt mit dem Ueberrock in der Hand hereinkommender Mann,„Du mufßt ſie jetzt wecken. Wir müſſen fort.“
Mrs. Bird legte eilig die verſchiedenen von ihr zuſammengebrachten Gegen⸗ ſtände in einen kleinen Koffer, verſchloß ihn, bat ihren Gatten ihn nach dem Wagen zu ſchaffen und entfernte ſich darauf um die Frau zu rufen..
Dieſe erſchien bald mit einem Mantel, Hut und Shawl, welche ihrer Wohlthäterin gehört hatten, angethan und mit ihrem Kinde auf dem Arme in der Thür. Mr. Bird führte ſie haſtig an den Wagen und Mrs. Bird folgte ihr bis an den Tritt deſſelben. Eliza beugte ſich heraus und ſtreckte ihr die Hand
lick, tain darauf wieder in


