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„Tom, laß die Thürklinke in Ruhe, ſei ein guter Junge. Marh, Marh! zieh die Katze nicht am Schwanze— das arme Miezchen— Jim, Du darfſt nicht auf den Tiſch klettern— nein, nein!— du weißt nicht, lieber Mann, welche Ueberraſchung es für uns Alle iſt, Dich heute Abend hier zu ſehen,“ ſagte ſie endlich, als ſie Zeit fand ein Wort zu ihrem Gatten zu ſprechen.
„Ja, ja, ich dachte, ich wollte einmal herabkommen, die Nacht zu Hauſe zubringen und es mir ein wenig bequem machen. Ich bin todtmüde und der Kopf thut mir weh.“
Mrs. Bird warf einen Blick auf eine Kampferſpiritusflaſche, die in dem halboffnen Wandſchranke ſtand, und ſchien auf eine Annäherung an dieſelbe zu ſinnen; aber ihr Gatte hielt ſie davon ab.
„Nein, nein, Marh, keine Arzeneien, eine Taſſe von Deinem guten heißen Thee und etwas von Deiner guten Hausmannskoſt— weiter verlange ich nichts. Das Geſetzemachen iſt ein mühſeliges Geſchäft.“
Und der Senator lächelte, als finde er Gefallen an der Idee, daß er ſich für ſein Vaterland aufopfere.
„Nun,“ ſagte ſeine Frau, ſobald das Geſchäft des Theetiſches etwas weniger eifrig geworden war,„was hat man im Senate gethan?“ Es war für die ſanfte, kleine Mrs. Bird etwas ſehr Ungewöhnliches, ſich über das, was in dem Hauſe des Staates vorging, den Kopf zu zerbrechen, da ſie ſehr weislich der An⸗ ſicht war, daß ſie in ihrem eigenen genug zu thun habe. Mr. Bird machte da⸗ her große Augen und ſagte
„Nichts beſonders Wichtiges.“
„Iſt es wirklich wahr, daß man ein Geſetz erlaſſen hat, um den Leuten zu verbieten, den armen Farbigen, die vorüberkommen, Speiſe und Trank zu geben? Ich habe von einem folchen Geſetze gehört, aber nicht gedacht, daß es eine chriſtliche geſetzgebende Verſammlung erlaſſen würde!“
„Ei, Marh, Du biſt ja plötzlich eine Politikerin geworden.“
„Dummes Zeug, ich würde im Allgemeinen keinen Strohhalm um Eure ganze Politik geben, aber dies halte ich geradezu für grauſam und unchriſtlich. Ich will hoffen, lieber Mann, daß kein ſolches Geſetz erlaſſen worden iſt.“
„Es iſt ein Geſetz durchgegangen, um den Leuten zu verbieten, den von Kentucky herüberkommenden Sklaven weiter zu helfen. Die rückſichtsloſen Abo⸗ litioniſten haben es ſo arg getrieben, daß ſich unſere Brüder in Kentucky in der ſtärkſten Aufregung befinden und es nothwendig und nicht mehr als chriſtlich und nachbarlich erſcheint, von Seiten unſeres Staates etwas zu thun, um die Aufregung zu beſchwichtigen.“
„Und was beſagt das Geſetz? es verbietet uns doch nicht, dieſen armen Ge⸗ ſchöpfen ein Nachtquartier zu geben und ihnen etwas Gutes zu eſſen vorzuſetzen, und ein Paar alte Kleider mitzutheilen und ſie in aller Ruhe weiter zu ſchicken? Thut es das?“
„Freilich, liebes Kind, das hieße„Helfen und Befördern,“ weißt Du?“
Mrs. Bird war ein ſchüchternes, blühendes Weibchen von etwa vier Fuß Höhe, guten, ſanften, blauen Augen und einem Pfirſichblüth⸗Teint und der mildeſten, lieblichſten Stimme von der Welt. Was ihren Muth betrifft, ſo war es vorgekommen, daß ein Truthahn von mächtiger Größe ſie mit einigem Kaudern in die Flucht geſchlagen hatte, und ein tüchtiger Haushund von nur leidlichen
Fähigkeiten konnte ſie durch das bloße Zeigen ſeiner Zähne ſchon zur Unter⸗ werfung bringen.
Ihr Gatte und ihre Kinder waren ihre ganze Welt und in dieſer regierte ſie mehr durch Bitten und durch Ueberredungen, als durch Befehle oder Vernunft⸗


