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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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leid,“ ſagte Mr. Shelby,„und ich achte Deine Gefühle, wenn ich auch keinen Anſpruch darauf mache, ſie in ihrem vollen Umfange zu theilen. Aber ich ſage Dir jetzt feierlich, daß es nichts nutzt— ich kann mir ſelbſt nicht helfen; ich habe es Dir nicht ſagen wollen, Emilie, aber kurz und gut, ich habe keine Wahl zwi⸗ ſchen dem Verkauf dieſer Beiden und dem Verkauf des ganzen Gutes. Entweder müſſen Sie gehen oder alle Uebrigen. Haleh iſt im Beſitz einer Hypothek ge⸗ langt und wenn ich ſie nicht ſofort an ihn abtrage, ſo wird er dafür Alles neh⸗ menz ich habe zuſammen geſcharrt und geborgt und beinahe gebettelt— und der Preis dieſer Beiden war nöthig, um die Summe voll zu machen, und ich mußte ſie abtreten. Haley fand Gefallen an dem Kinde; er willigt ein, die Sache auf dieſe Weiſe und auf keine andere in Ordnung zu bringen. Ich be⸗ fand mich in ſeiner Macht und mußte es thun. Wenn Du über ihren Verkauf ſolche Gefühle hegſt, wie würde es Dir gefallen, wenn ſie Alle verkauftwürden?“

Mrs. Shelby ſtand wie vom Schlage getroffen da, endlich wendete ſie ſich 25 iie Toilettentiſche um, ſtützte ihr Geſicht in ihre Hände und ſtöhnte tief auf.—

„Das iſt Gottes Fluch, der auf der Sklaverei laſtet!— es iſt eine bittere, bittere, mit tiefem Fluche beladene Sache, ein Fluch für den Herrn, wie für den Sklaven. Ich war eine Thörin, zu denken, daß ich aus einem ſo furchtbaren Uebel etwas Gutes machen könne! es iſt eine Sünde, unter Geſetzen wie die unſern, einen Sklaven zu beſitzen. Ich habe ſtets gefühlt, daß es ſo ſei. Ich habe ſtets ſo gedacht, als ich noch ein Mädchen war— ich habe mich noch mehr überzeugt, nachdem ich mich verheirathet hatte, aber ich dachte, daß ich es über⸗ golden könne— ich glaubte durch Güte und Fürſorge und Unterricht die Lage der Meinen beſſer machen zu können, als die Freiheit— ich Thörin!“

„Ei Frau, Du wirſt ja eine wahre Abolitioniſtin!“

„Eine Abolitioniſtin! wenn die Abolitioniſtinnen mit Allem bekannt wä⸗ ren, was ich von der Sklaverei weiß, ſo könnten ſie reden. Wir bedürfen ihrer nicht, um es uns zu ſagen. Du weißt, daß ich die Sklaverei nie für recht ge⸗ halten— nie danach begehrt habe, Sklaven zu beſitzen.“

„Nun, darin weichſt Du von vielen weiſen und frommen Männern ab,“ ſagte Mr. Shelby;„erinnerſt Du Dich noch an die Predigt, welche Mr. B. neulichſt Sonntag gehalten hat?“

„Ich will keine ſolche Predigt hören; ich wünſche dem Mr. B. nie wieder in unſerer Kirche zu ſehen. Die Geiſtlichen können dem Uebel vielleicht nicht abhelfen— können es eben ſo wenig heilen wie wip;— aber es vertheidigen— es iſt mir ſtets wider meinen geſunden Menſchefterſtan gegangen, und ich denke eben ſo wenig, daß Du viel von jener Predigt gehalten haſt.“

„Nun,“ ſagte Shelby,„ich muß geſtehen, daß die Prediger die Dinge zu⸗ weilen weiter treiben, als wir armen Sünder es zu thun wagen würden. Wir Weltmänner müſſen die Augen über verſchiedene Dinge zumachen und uns an Manches gewöhnen, was nicht gerade ſein ſollte, und es behagt uns nicht, wenn Weiber und Geiſtliche gerade herausſprechen und in Dingen der Scham oder Moral weiter gehen als wir. So viel iſt gewiß. Nun aber, Liebſte, hoffe ich, daß Du die Nothwendigkeit der Sache erkennen wirſt und Du ſiehſt, daß ich das Beſte gethan habe, was die Umſtände geſtatten.“

„Jawohl, jawohl!“ antwortete Mrs. Shelby haſtig und ſpielte zerſtreut mit ihrer goldnen Uhr.„Ich habe nicht beſonders viele Juwelen, aber,“ fügte ſie nachdenklich hinzu,„würde dieſe Uhr nicht Einiges thun?— ſie hat viel Geld gekoſtet, als ſie gekauft wurde; wenn ich nur wenigſtens Eliza's Kind retten könnte, ſo würde ich Alles, was ich beſitze, vpfern.“