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Vorredr von der Verfaſſerin eigens für Europa geſchrieben.
Das große Geheimniß, welches allen chriſtlichen Nationen gemeinſchaftlich iſt, die Verbindung der Menſchen mit Gott, durch Jeſum Chriſtum, verleiht dem menſchlichen Leben eine achtunggebietende Heiligkeit, und in den Augen der wahren Gläubigen begeht der, welcher die Rechte des geringſten ſeiner Nebenmenſchen mit Füßen tritt, nicht nur eine unmenſchlichkeit, ſondern eine Entheiligung, und die traurigſte Form dieſer Entheili⸗ gung iſt die Sklaverei.
Man hat geſagt, die in dieſem Buche enthaltenen Schilderungen ſeien übertrieben. Wollte Gott, dem wäre ſo! wollte Gott, das Buch wäre wirklich eine Dichtung und keine treue Erzählung von Thatſachen! Daß es aber keine Dichtung iſt, dafür liegen die blutigen Beweiſe in vielen tauſend Herzen, und Tauſende von Augenzeugen in den Sklaven⸗ ſtaaten, ja Sklavenbeſitzer ſelbſt, haben es, mit beſonderer Beziehung auf dieſes Werk⸗ beſtätigt. Wenn es noch anderer Beweiſe bedürfte, ſo hätten wir nur nöthig, die ganze civiliſirte Welt auf das Geſetzbuch der Sklavenſtaaten zu verweiſen, welches eine legale und geordnete Aufeinanderhäufung aller möglichen Grauſamkeiten und Schändlichkeiten iſt, die ein Menſch an Leib und Seele ſeines Nächſten verüben kann. Was muß daraus entſtehen, wenn ſo etwas zum Geſetz erhoben wird!— Dem Himmel ſei Dank, daß dieſer entſetzliche Angſtruf einer unausſprechlichen Qual endlich gehört worden iſt!
Man hat behauptet, die Sklavenbevölkerung ſei vollkommen untauglich für die Freiheit und Charaktere, wie die in vorltegendem Werke geſchilderten ſeien übertriebene und außer dem Bereiche der Möglichkeit ſiegende Phantaſiegebilde. Was man auch von der afrikaniſchen Regerrace an ſich ſagen mag, die Sklavenbevölkerung von Amerika iſt jetzt in großer Ausdehnung eine gemiſchte Race, in deren Adern das beſte angelſächſiſche Blut fließt, und Charaktere, wie George Harris und Eliza ſind unter den Sklaven keines⸗ wegs ungewöhnlich. Damit aber auch die Perſon des Onkel Tom nicht als eine Schöpfung der Einbildungskraft betrachtet werde, führen wir hier folgende Anerkennung der Tugenden eines Lieblingsſklaven an, die wir dem Teſtamente des ehemaligen Staatsſekretärs unter dem Präſidenten Tyler, Namens Upſhur, entlehnen:
„Ich emancipire meinen Diener David Rice, gebe ihm die Freiheit und beauſtrage meine Leſtamentsvollſtrecker, ihm hundert Dollars auszuzahlen. Ich empfehle ihn auf das Angelegentlichſte der Achtung und dem Vertrauen Derjenigen, in deren Mitte er hinfüro leben wird. Er iſt vierundzwanzig Jahre lang mein Sklave geweſen und hat ſich wäh⸗ rend dieſer Zeit in jeder Beziehung und im vollen Sinne des Worts als treu bewährt. Ich habe unbegrenztes Vertrauen zu ihm gehabt und ſeine Beziehungen zu mir und mei⸗ ner Familie ſind ſtets von der Art geweſen, daß ſie ihm täglich Gelegenheit boten, uns zu betrügen und zu ſchaden; aber nie hat er ſich eines bedeutenden Vergehens ſchuldig gemgcht, nicht einmal einer Verletzung der uns gebührenden Achtung. Er beſitzt eine nicht gewöhnliche Intelligenz, ſeine Rechtſchaffenheit iſt über jeden Zweifer erhaben und ſeine Anſichten von Recht und Eigenthum ſind verſtändig und ſogar geläntert. Ich fühle, daß er vollkommen würdig iſt, dieſes Zeugniß von mir in die neuen Lebensverhältniſſe, in welche er nun eintreten muß, mit hinüber zu nehmen; er verdankt es ſeinen langen und treuen Dienſten und der aufrichtigen, unwandelbaren Freundſchaft, die ich zu ihm hege. Während meines ununterbrochenen vierundzwanzigjährigen vertrauten umganges mit ihm, habe ich ihm nie ein unfreundliches Wort geſagt und auch nie Verantaſſikig dazu gehabt. Ich kenne keinen Menſchen, der weniger Fehler oder mehr vortreffliche Eigenſchaften beſäße, wie er.“


