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„Nun, Du einfältiges Kind, wenn es nun ſüiſt!—
„O, Miſſis, denken Sie wirklich, daß der Herr meinen Harrh verkaufen würde?““— und das arme Geſchöpf warf ſich in ihren Stuhl zurück und ſchluchzte krampfhaft.
„Ihn verkaufen! nein, Du thörichtes Mädchen, Du weißt, daß Dein Herr nie mit den ſüdlichen Händlern Geſchäfte macht und nie einen von ſeinen Dienern verkaufen wird, ſo lange ſie ſich gut betragen. Ei, Du einfältiges Kind, wer denkſt Du könnte Deinen Harry kaufen wollen? Denkſt Du, daß die ganze Welt ſo auf ihn verſeſſen iſt, wie Du, Du Gänschen? Komm, erheitere Dich
und heftele mein Kieid zu— ſo, jetzt bringe mein Haar in die hübſche Flechte,
die Du neulichſt gelernt haſt und horche nicht mehr an den Thüren.“
„Nun aber, Miſſis, Sie würden doch nie Ihre Einwilligung geben, wenn — wenn—“
„Unſinn, Kind! natürlich würde ich es nicht. Weshalb ſprichſt Du ſo? ich würde eben ſo gern eines von meinen eignen Kindern verkaufen, aber wahr⸗ haftig, Eliza, Du biſt viel zu ſtolz auf das Bürſchchen. Es kann kein Mann ſeine Naſe zur Thüre herein ſtecken, ohne daß Du denkſt, daß er gekommen ſei, um ihn zu kaufen.“
Von dem zuverſichtlichen Tone ihrer Herrin wieder ermuthigt, leiſtete ihr
Eliza über ihre eigenen Befürchtungen lachend, bei ihrer Toilette behenden und geſchickten Beiſtand.
Mrs. Shelby war ein, ſowohl in intellektueller, wie in moraliſcher Be⸗
ziehung, hochſtehendes Weib; ſie verband mit der angeborenen Gutherzigkeit und dein Edelmuth, welche ſo oft den kentuckyſchen Frauen eigen ſind, ein hohes moraliſches und religiöſes Gefühl und Grundſätze, welche mit großer Energie und Geſchicklichkeit zu praktiſchen Reſultaten geführt wurden. Ihr Gatte, der
keine beſonderen Anſprüche auf Religivſität machte, verehrte und ſchätzte die
Feſtigkeit der ihren, und empfand wohl ſogar einige Ehrfurcht vor ihren An⸗
ſichten. Nach ſeinem Geſpräch mit dem Händler lag die ſeinen Geiſt am
ſchwerſten bedrückende Laſt in der vorausgeſehenen Nothwendigkeit, ſeiner Frau
das beabſichtigte Auskunftsmittel mitzutheilen und dem Widerſtande entgegen⸗
zutreten, welchen er mit Sicherheit und mit gutem Grunde erwartete.
Mrs. Shelby, die ſich über die Geldverlegenheiten ihres Gatten in völliger Unwiſſenheit befand und nur die allgemeine Güte ſeines Charakters kannte, war in der Ungläubigkeit, womit ſie Eliza's Verdacht begegnet hatte, vollkom⸗ men aufrichtig; in der That ſchlug ſie ſich die Sache, ohne weiter daran zu denken, aus dem Sinne, und da ſie eben mit Vorbereitungen zu einem Abend⸗ beſuche beſchäftigt war, ſo entfiel ihr dieſelbe völlig.
2. Die Mutter.
Eliza war ſchon als Kind in das Haus ihr Günſtling aufgezogen worden.
Derjenige, welcher den Süden bereiſtt hat, muß oſft die eigenthuͤmliche Politur, die Sanftheit der Stimme und des Weſens bemerkt haben, welche in vielen Fällen eine beſondere Gabe der Quadronen und Mulattenfrauen zu ſein pflegt. Dieſe natürliche Anmuth vereinigt ſich bei den Quadronen häufig mit der blendendſten Schönheit und faſt ſtets mit einem einnehmenden und ange⸗ nehmen perſönlichen Aeußeren. Unſere Beſchreibung Eliza's ißt keine Phanta⸗
ihrer Herrin gekommen, und als
ſieſtizze, ſondern der Erinnerung entnommen, da wir ſie vvr Jahren in Kentuc


