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von den Schulden!“— Er ſeufzte!„Der Burſche erkennt ſeinen Vortheil und will ihn verfolgen.“
Im Staate Kentucky iſt wohl die mildeſte Form der Sklaverei zu ſehen. Das allgemeine Vorwalten ländlicher Beſchäftigungen von ruhiger und allmä⸗ liger Natur, welches die periodiſchen Epochen der Eile und des Drängens, die in den ſüdlicheren Diſtrikten nöthig ſind, nicht erfordert, macht die Arbeit des Negers geſuͤnder und weniger anſtrengend, während ver Herr, welcher ſich mit einem allmäligeren Vermoögenszuwachs begnügt, nicht die Verſuchungen zur Hartherzigkeit kennt, welche die ſchwache, menſchliche Natur ſtets überwältigen, wenn die Ausſicht auf plötzlichen, ſchnellen Gewinn in der einen Wagſchale liegt, während ſich in der andern nur die Intereſſen ſchutz⸗ und hilfloſer Ge⸗ ſchöpfe befinden.
Wer einige von den dortigen Gütern beſuchte und Zeuge von der gütigen Nachſicht mancher Herrn und Herrinnen und dem liebevollen Gehorſam mancher Sklaven wurde, könnte ſich verſucht fühlen, von der fabelhaften poetiſchen Le⸗
ende einer patriarchaliſchen Einrichtung zu träumen. Aber über den dortigen
erhältniſſen liegt immer noch ein düſterer Schatten— der Schatten des Geſetzes;— ſo lange das Geſetz alle dieſe menſchlichen Weſen mit ihren klop⸗ fenden Pulſen und liebenden Herzen nur als Dinge betrachtet, die einem Herrn gehören— ſo lange der Bankerott, oder das Unglück, oder die Thorheit, oder der Tod des gütigſten Beſitzers ſie täglich dazu bringen kann, ein Leben voll freundlichen Schutzes und Nachſicht mit einem Leben voll hoffnungsloſen Elends und voll Mühſeligkeiten zu vertauſchen— ſo lange iſt es unmöglich, ſelbſt in der beſtgeordneten Art der Sklaverei, etwas Schönes oder Erwünſchtes zu finden. Mr. Shelby war ein guter Mann, wie man ſie häufig findet, gutmüthig und freundlich und zur Nachſicht gegen die ihn Umgebenden geneigt. Er hatte es nie an etwas mangeln laſſen, was zum phyſiſchen Wohlſein der Neger auf ſeinem Gute beitragen konnte, er hatte jedoch bedeutend unkluge Spekulationen Vee hatte ſich tief in Schulden geſtürzt und ſeine Wechſel, zu einem hohen
elaufe, waren in die Hände Mr. Haley's gefallen.
Dieſe kleine Mittheilung wird den Schlüſſel zu der vorhergegangenen Unterhaltung liefern.
Nun hatte Eliza zufällig, als ſie ſich der Thür näherte, genug von dem Geſpräche gehört, um zu wiſſen, daß ein Handelsmann ihrem Herrn Anerbie⸗ tungen für Jemand mache.
Sie wäre gern an der Thür ſtehen geblieben, um zu horchen, als ſie hin⸗ aus gegangen war, aber da ſie eben von ihrer Herrin gerufen wurde, ſah ſie ſich genöthigt, hinweg zu eilen.
Dennoch glaubte ſie den Händler ein Gebot auf ihren Knaben machen gehoͤrt zu haben— konnte ſie im Irrthum ſein? Ihr Herz pochte und ſie drückte ihn unwillkürlich ſo feſt an ſich, daß der kleine Burſche erſtaunt in ihr Geſicht blickte.
„Eliza, Mädchen, was fehlt Dir heute?“ ſagte ihre Herrin, gachdem ſie den Waſſerkrug über das Arbeitstiſchchen umgeworfen hatte, als ſie zerſtreut ihrer Herrin einen langen Schlafrock ſtatt des Seidenkleides darbot, welches ſie ihr aus der Garderobe zu bringen befohlen hatte.
Eliza ſchrak zuſammen.
„O, Miſſis!“ ſagte ſie, ihre Augen erhebend, und dann brach ſie in Thränen aus und ſetzte ſich auf einen Stuhl und begann zu ſchluchzen.
„Ei, Eliza, Kind, was fehlt Dir?“fragte ihre Herrin.
„O, Miſſis! o, Miſſis!“ antwortete Eliza;„unten im Sprechzimmer iſt ein Händler, der mit dem Herrn redet— ich habe ihn gehört—“


