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riſſen. Welche Liebe! Welche Aufopferungi Welche Seelenſtaͤrke und welch erhabener Cha⸗ rakter! O wie ſuͤß waͤre es geweſen von dieſem Manne ferner geliebt zu werden, und wie bitter war es, ihn verloren zu haben! Jener bedeutungsvolle Abend, wo Styndall in ihrem Saale ſo edle Geſinnungen ausgeſpro⸗ chen, trat mit allen einzelnen Umſtaͤnden in die Erinnerung der Fuͤrſtin. Sein Eigenſinn, allein vom Augarten weggehen zu wollen, der letzte Kuß von der einen Seite mit ſo zaͤrtlicher Be⸗ ſorgniß gegeben, von der andern mit ſo viel Schwermuth empfangen, das offenbar abſicht⸗ liche Vergeſſen der Brieftaſche, die Tom auf⸗ getragene Nachſuchung nach derſelben und die blutige That waͤhrend der Abweſenheit des treuen Dieners, Alles dies war lebendig gegenwaͤrtig vor Charlottens Augen, Alles brachte ihre Seele in Aufruhr. Sie unterlag dieſen mannigfalti⸗ gen Eindruͤcken, ſie verließ ihr Gemach, um ſich in die Arme der Baronin zu werfen, und ſagte ihr mit einem Tone, den die Natur nur dem Weſen verliehen hat, das tiefes Mitleid erflehen will:
„Laſſen Sie uns reiſen, Couſine, und den Boden verlaſſen, auf dem das edelſte Blut ver⸗


