256
das Krankenzimmer. So wie die alte Frau ihn erblickte, brach ſie in ein krampfhaftes, heftiges Schluchzen aus, das ſie zu erſticken drohte. Er ſtand verlegen, ernüchtert am Bette. Sein Ge⸗ wiſſen regte ſich und machte ihm Vorwürfe. Es war ihm ſehr unangenehm zu Muthe. Aber dies Gefühl wurde zur Beſtürzung, als die Mutter plötzlich ſeine Hand ergriff, ihn heftig zu ſich heran zog, ihn umklammerte und nun verzweiflungsvoll ſchrie:„O mein Sohn! mein geliebter Sohn, Du biſt bei der Oberſtin geweſen. Das hat mich nie⸗ dergeworfen. Du biſt frei von aller Schuld, ich weiß es. Du biſt immer mein frommer, guter, edler Sohn geweſen. Das arge Schandweib, die gottvergeſſene Buhlerin hat Dich verführt. Sie iſt ein Kind des Teufels. O Sohn, Sohn, laß ab von ihr! Deine Mutter beſchwört Dich bei dem Herzen, unter dem ſie Dich getragen, bei der Bruſt, die Dir die erſte Nahrung gereicht, bei der Liebe, mit der ſie Dich erzogen und gepflegt und hoch und werth gehalten bis zu dieſer Stunde: laß ab von dieſem Weibe! Sonſt iſt es Dein und unſer aller Verderben. Komm, mein geliebter, theurer


