227
ſehen: was würdeſt Du thun, Amalie, an meiner Stelle?“
„Von mir— kein Wort mehr! Sie müſſen ſich von dem ungeliebten Gatten trennen; Sie müſſen Marius' Weib werden. Er muß ſeine Pfarrerſtelle niederlegen; denn auf dem reli⸗ giöſen Standpunct, den er durch Sie gewonnen hat, kann er unmöglich Pfarrer bleiben. Es wird für ſeine Familie ein großer Schmerz ſein, aber ſie wird ihn in Hinblick auf ſein Glück zu tragen wiſſen. Wahres, aus dem innern Lebenskern her⸗ auswachſendes Glück(und dieſes iſt nur allein das wahre) kann ja nie ohne Schmerz und Opfer er⸗ rungen werden. Dann widmen Sie ſich beide der Ausführung Ihrer Pläne mit vereinten Kräften.“
„Liebe Schwärmerin, als ob das dann noch möglich werden könnte! Du vergißt ganz, daß ich das nur als die Frau des Oberſten vermag.“
„O wenn Sie nur von äußern Bedingungen reden! Das habe ich freilich von Ihnen nicht er⸗ wartet. Der Keim einer neuen Lebensgeſtaltung trägt ja die ſchöpferiſche Kraft in ſich ſelbſt und erringt ſich mit dieſer unwiderſtehlichen Kraft die


