15
ſchen unrecht oder wehe zu thun, vielmehr in Jedem, auch im Geringſten, Gottes Meiſterſtück zu achten und zu lieben.— Wenn ich um die ſtillen, einſa⸗ men Dorfkirchen wandle, deren meiſt graues ver⸗ wittertes Geſtein von Obſt⸗ und Lindenbäumen halb verdeckt, von träumeriſchen Fliederbüſchen zum Theil überkleidet iſt, die ſich an den erblindenden Fen⸗ ſtern erheben, als wollten ſie das heilige Geheim⸗ niß des Kirchleins erlauſchen, das ſie dann in ihren Blüthen auszuhauchen ſich beſtreben; wenn ich in den ſtillen Raum der Kirche ſelbſt trete, wo dieſe einfachen Naturmenſchen ihre Herzen durch die Lehren und Tröſtungen der Religion ſtärken und erheben, dann wird immer meine Seele von den poetiſchen Schauern der Andacht ergriffen, und die Gefühlstrunkenheit, die ich mit mir hinweg in die Häuſer der Lebenden nehme, ſchützt mich hier oft vor manchem bittern Gefühl. Weſſen Herz von Gott voll iſt, der hat für den gemeinen Schmerz, den ihm Menſchen bereiten, keinen Raum; er er⸗ zürnt ſich nicht über ihm bereitete Täuſchungen; er hat für empfangene Unbilden nur ein bedauern⸗ des Lächeln, nur ein vergebendes Wort der Liebe.—


