330 Der große Reichstag zu Augsburg
es jetzt? Es kann die unſterblichen Verdienſte des großen Kirchenreformators nicht ſchmaͤlern, daß er nicht noch groͤßer war; es iſt nur ſchmerzlich zu beklagen, daß er, der Sohn des Volks, dem Volke untreu wurde. Er mußte dafuͤr die Demuͤthigung erleben, daß der Sultan Sulei⸗ man und der Franzoſenkoͤnig Franz die eigentlichen Stutzen des Proteſtantismus wurden; denn ohne dieſe beiden ſtets drohenden Feinde Karls waͤre die Reformation, die das Volk verlaͤugnet hatte, auf das ſie doch fußte, von Kaiſer und Reich vernichtet worden, trotz dem Kurfuͤrſten von Sachſen und dem Landgrafen von Heſſen. Das ſind die großen markerſchuͤtternden Gerichte Gottes in der Welt⸗ geſchichte.
Der Weg der„Profeſſoren“ iſt 1848 und 1849 der⸗ ſelbe geweſen; aber kein Mann wie Luther iſt an ihrer Spitze. Auch jetzt wird der Kampf entbrennen und wird entbrennen muͤſſen, wie damals. Sollte er— was Gott verhuͤte!— einen ähnlichen Ausgang haben, ſo wäre die Bluͤthe Deutſchlands, ja Europa's wieder fuͤr Jahrhunderte, vielleicht fuͤr immer geknickt; denn die Kultur, ferner nur eine Tochter der Freiheit, wuͤrde allein auf Amerika's freiem Boden gedeihen, und die Maͤnner von Geiſt und Kraft aus allen Laͤndern wuͤrden, von ihren Sternen gezo⸗ gen, uͤber das Meer gehen. Europa wuͤrde dem Fluche des Monarchismus erliegen, wie ihm Spanien unter Karls Nachfolgern erlag. Werfen wir aber ſcheidend nur noch einen einzigen


