38 Der große Reichstag zu Augsburg
proteusartige, außerordentliche Frau durch unſte Handels⸗
verbindungen in der Tuͤrkei Nachrichten erhalten. Erſt hat ſie bald als gemeiner Tabuletkrämer, bald als vornehmer Edelmann den verſchiedenen Anfuͤhrern der empoͤrten Bauern gedient, dann iſt ſie zu Suleiman nach Conſtan⸗ tinopel gegangen und hat ihn auf dem erſten Feldzug nach Ungarn begleitet. Aus Verdruß, daß der Sultan nicht damals ſchon nach Wien ging, verließ ſie ihn. Hoͤchſt wahrſcheinlich hat ſie dann einige Jahre in Algier bei Barbaroſſa gelebt, deſſen ihr befreundete Gemahlin jene Euch und mir wohlbekannte Agnes von Cardona iſt, die auch einſt in Augsburg ihre ſchlaue Rolle ſpielte; ja ich habe die Spur, daß Eleonore van der Voort in dieſer Zeit in Florenz und Mailand geweſen iſt, verſteht ſich, immer als Mann verkleidet, wie ſie es liebt; wenigſtens hat ein geheimnißvoller Fremder mit auffallenden Flecken im Ge⸗ ſicht dort mit den Haͤuptern der Empoörung verkehrt. Dann iſt ſie wieder zu Suleiman zuruͤckgekehrt und hat mit ihm vor Wien gelegen. Genug, ſie hat jedem gedient, der ſich gegen Eurer Majeſtaͤt Macht auflehnt und gegen Euch kaͤmpft. Wo Eleonore jetzt lebt, daruͤber hab' ich keine Kunde.“
„Dies Weib muß aus der Hölle ſtammen,“ ſagte Karl ernſt.„Wenigſtens iſt ſie der boͤſe Genius unſeres Hau⸗ ſes. Sie hat meine Mutter um den Verſtand gebracht, meinen Vater bis in den Tod verfolgt, mit mir hat ſie's eben ſo vor. Wohl mir, daß ich unter dem Schirme


