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18 Der große Reichstag zu Augsburg
Rechte vertheidigen wolle. Das war derſelbe Eid, den die Hierarchie einſt, als ſie dem Kaiſerthum ſiegreich den Fuß auf den Nacken geſtellt, aufgebracht, und ihn ſchwur jetzt der Kaiſer dem Papſte, den er mit Huͤlfe der fuͤr Luthers und Zwinglis Lehren begeiſterten Deutſchen vor drei Jah⸗ ren in den Staub geworfen hatte, er ſchwur ihn gegen Luther und Zwingli und ihre Anhaͤnger. Das Rad der Zeit ſollte um drei Jahrhunderte zuruͤckgedreht werden; noch einmal fand die Verbindung der geiſtlichen und welt⸗ lichen Hierarchie ſtatt, um die Entwicklung des Menſchen⸗ geiſtes im Fortſchritt der Weltgeſchichte in die ſtarre Form veralteter Geſetze zu bannen.
Nach dem Schwur kniete der Kaiſer abermals vor dem Papſte und kuͤßte ihm den Pantoffel. Und doch, trotz aller Demuth des Kaiſers vor dem Nachfolger St. Petri konnte dieſer den Argwohn nicht los werden, daß er der Betrogene ſei, ja er aͤußerte ſogar gegen den franzoͤſiſchen Geſandten, Biſchof von Tarbes: er ſehe es, daß er betrogen werde, er muͤſſe ſich aber ſtellen, als merke er es nicht. Der Kaiſer ſeinerſeits hatte den Papſt in demſelben Argwohn und be⸗ klagte ſich uber deſſen Falſchheit in ſeinen Briefen an ſeinen Bruder, den Koͤnig Ferdinand.—
Sobald der Fußkuß applicirt war, kehrten Papſt und Kaiſer Hand in Hand zu ihren Thronen zuruͤck; der Kar⸗ dinal-Diakonus de Medici ſtellte ſich auf den Altar und rief mit lauter Stimme:„Es lebe der großmächtigſte und unuͤberwindlichſte Beſchuͤtzer des Glaubens Karl der Fuͤnfte!“


