Die Sturmvögel zum Bauernkrieg. 333
Menſchheit die giftige Frucht. Gott und die Heiligen haben es zugelaſſen; was kann ein armer ſchwacher Wurm wie ich bin, dagegen thun? Ich muß ſtill halten und tra⸗ gen, was mir Gott in meinen alten Tagen auferlegt hat. Wohin ich meinen Fuß ſetze, tritt mir des Teufels ſieg⸗ reiche Wirkſamkeit hohnlachend entgegen. Mir iſt das heilige Schluͤſſelamt St. Peters in Rom all mein Lebelang die wahrhaftige Statthalterſchaft Chriſti auf Erden ge⸗ weſen, und dieſe Ueberzeugung werde ich behalten, bis ich den letzten Athemzug thue. Wer vom Papſt abfällt, faͤllt von mir ab; wer der Mutterkirche die Treue bricht, bricht ſie mir. Ich ſehe Alles um mich wanken, da ich alt und ſchwach geworden bin und der Treue und Anhaͤnglichkeit mehr bedarf als in fruͤheren Tagen, als ich noch ruͤſtig war und mich auf mich ſelbſt verlaſſen durfte. Ich habe all mein Lebtag den Menſchen, die mir nahe traten, mit Liebe begegnet und wohlgethan ſo viel in meinen Kraäften ſtand. Euch beide aber habe ich beſonders geliebt und Euch auferzogen, wie meine Soͤhne. So haltet Ihr wenigſtens in Liebe und Treue zu mir, zu Kaiſer und Papſt feſt. Werdet Ihr wenigſtens keine Verraͤther an der heiligen Kirche und an der heiligen Kaiſerkrone. Doch was bedarf es bei Euch der Ermahnung! Euere Treue zu Gott und zu mir iſt erprobt. Auf Euch verlaſſe ich mich. Ihr ſeid mir ergeben bis zum Tod. Und ſo habe ich doch einen Troſt in dieſem Truͤbſal, eine Stuͤtze in dieſem Sturme.“


