Die Siurmvögel zum Bauernkrieg. 331
las er ihm vor und unterhielt ſich mit ihm uͤber die zeit⸗ lichen und ewigen Dinge. Buͤbenhoven, ſelbſt von den neuen Zeitideen eingenommen, hatte ſie mit ſeinem weichen poetiſchen Gemuͤth erfaßt, auf ſeine eigenthuͤmliche Weiſe in ſich verarbeitet und ſich als Eigenthum gewonnen. So lagen ſie abgeklaͤrt von den Schlacken der Parteileidenſchaft in ihm, aber ſie hatten durch dieſen Prozeß auch die fort⸗ zeugende weiter zuͤndende Kraft verloren; ſie waren ihm eben ein rein poetiſches Gut geworden. Als ſolches konn⸗ ten ſie nicht aus dem kleinen Kreiſe ſeines ſtillen Hauſes hinausgehen; aber hier verbreiteten ſie ihr klares Licht, ihre wohlthaͤtige Waͤrme. Die beſcheidene gemuͤthliche Sibylle hatte ſich ihnen je mehr hingegeben, je klarer ihr eigener Geiſt und je empfindſamer ihre Seele durch das Vorſchreiten ihrer Krankheit wurden. Jakob Fugger hatte ſeine Vaterſtadt und ſein Haus darin verlaſſen, weil es von den ihm ſo verhaßten Zeitideen ergriffen warz er hatte ſich voll Jammers in ſein Schloß in Tyrol zu den ihm theuerſten Menſchen gefluchtet, von deren Liebe und Treue zu ihm er uͤberzeugt war, wie von ſeiner Seligkeit, aber auch ſie hatten ſich der aufgehenden Sonne, die er fuͤr ein trugeriſches Meteor hielt, zugewendet. Doch hier trat ihm das Sonnenlicht nicht grell und hitzig entgegen; es war durch das Prisma der Poeſie in ſeine urſpruͤnglichen herr⸗ lichen Farben aufgeloͤſt, und deshalb merkte der Greis an⸗ fangs nichts von ſeinem Daſein im Schloſſe Fuggerau. Dieſe poetiſche Umwandlung war ein Gluͤck fuͤr den alten


