Die Sturmvögel zum Bauernkrieg. 11
daß ich der Sohn eines Leinwebers bin, und ich nenne mich nicht etwa nur ſo mit einer ſtolzen nnd laͤcherlichen Schein⸗ beſcheidenheit, um den fuggeriſchen Reichthum und Einfluß dadurch in ein recht glaͤnzendes Licht zu ſetzen, wie meine lieben Vettern Raimund und Anton. Nein ich bin in der That und Wahrheit ein Volksmann, und ich habe ſtets ſchoͤne Gelegenheit gehabt, das Volk achten und lieben zu lernen, ja es hat mir nicht an ſolcher gefehlt, ſeinen Edel⸗ ſinn, ſeine Treuherzigkeit zu bewundern. Das Volk ver⸗ thiert nur dann, wenn ihm von privilegirten Staͤnden, die ſich ihre Privilegien ſelbſt gegeben oder genommen haben, eine lange Zeit unausgeſetzt Unrecht geſchieht, wenn es be⸗ raubt, ausgeſogen, wenn ihm Schmach und Gewalt ange⸗ than, und es dabei noch verachtet und verſpottet wird. Be⸗ handelt das Volk menſchlich, bruͤderlich nach dem Gebote unſeres Heilands, und Ihr werdet Menſchen und Bruͤder in ihm finden. Und wenn ſein ſittliches Gefuͤhl nicht aus⸗ gebildet, wenn es unwiſſend und roh iſt, wer traͤgt die Schuld als ſeine Tyrannen und vorzuͤglich dieſe uͤppigen geilen, despotiſchen Pfaffen, die doch dazu beſtimmt ſind, das Volk zu bilden? Tauſendjaͤhriges Unrecht wird nicht zum Recht. Noch nie iſt verſucht worden, auf das ganze Volk mit dem ganzen Volk zu wirken. Die Zeit naht, wo dies geſchehen wird und muß.“
Unter dieſem Geſpraͤch waren die Reiſenden der hoch⸗ ragenden Burg nahe gekommen und ſchlugen nun ſchwei⸗ gend den gekruͤmmten berganſteigenden Weg ein, welcher
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