Die Sturmvögel zum Bauernkrieg.
„Ich wollte, ich haͤtte mich den Wiſſenſchaften gewid⸗ met,“ ſagte Hieronymus mit einem Anfluge von Unmuth, um auch in Wittenberg ſtudiren zu koͤnnen. Welch ein herrliches Leben muß ſich dort entfalten!“
„Wir beduͤrfen auch der freiſinnigen Maͤnner in an⸗ dern Staͤnden,“ nahm Ulrich das Wort.„Namentlich un⸗ ſerem Stande thut es noth, daß wir uns vom Gewoͤhn⸗ lichen, Alltaͤglichen, Herkoͤmmlichen losreißen. Denn kein Stand iſt geneigter, geiſtig zu verſumpfen, das Geld zum Gott der Erde zu erheben und vor der Macht ſich wedelnd zu verbeugen, ſie mag ſo ungerecht, ſo aberwitzig ſich ge⸗ berden, wie ſie will. Haben wir doch das Beiſpiel in un⸗ ſerer eigenen Familie. An uns nun iſt es vorzuͤglich, die kuͤhnen Gedanken der Wahrheit, welche in den großen Gei⸗ ſtern aufblitzen, in das Leben einzuführen, ſie der Wirk⸗ lichkeit anzupaſſen, ihnen Fleiſch und Blut zu geben und ſie fruchtbar zu machen fuͤr unſere und kuͤnftige Zeiten. Wenn es nur unter den Gelehrten empfaͤngliche Koͤpfe gaͤbe, mein Hieronymus, wuͤrde die Wahrheit ſtets ein Schattenbild bleiben. Darum preiſe den von dir erwaͤhlten Kaufmannsſtand, der dir die ſchoͤnſte Gelegenheit gibt, zu verwirklichen, was jene großen Maͤnner gedacht und ge⸗ forſcht und in Wort und Schrift ausgeſprochen haben. Fahre nur fort, die Schriften Luthers, Huttens und anderer kraͤftigen Geiſter unſerer Zeit zu leſen und dir die Seele von ihnen entflammen zu laſſen.“
„Daß ich es daran nicht fehlen laſſe, weißt Du!“


