Die Sturmvögel zum Bauernkrieg. 3
„Wie der Geiſt der Jugend aus ihm ſpricht!“ laͤ⸗ chelte der Stadtſchreiber fein.„Fuͤr die großen und neuen Meinungen und Anſichten, welche an altgewordenen For⸗ men ruͤtteln, iſt doch die Jugend ſtets am empfaͤnglichſten. Wie ſtaunenswerth iſt in dieſer Beziehung auch die Ein⸗ richtung Gottes in dem menſchlichen Geiſte! Waͤre die Jugend nicht ſo leicht entzuͤndbar fuͤr die Feuerfunken, die von gewaltigen Geiſtern, den Glutherden einer neuen Weltgeſtaltung, ausfliegen, nie wuͤrden die Flammen, die das Alte, Morſche und unbrauchbar Gewordene verzehren ſollen, damit neuen Schoͤpfungen Raum werde, um ſich greifen koͤnnen; ſie wuͤrden erſticken und verloͤſchen aus Mangel an Brennſtoff und an Zugluft. Darum hät die Jugend immer Recht und wird zu allen Zeiten Recht be⸗ halten, wenn es gilt, eine alte abgelebte Zeit vom Throne zu ſturzen und eine junge, kraͤftige dafuͤr zu erheben. Durch die begeiſterte Jugend werden Luther und Hutten ſiegen, in Rom moͤgen ſie ſich ſpreizen, wie ſie wollen. Sehen wir es doch in Wittenberg. Trotzdem, daß Luther ſeit ſeiner Abreiſe von Worms wie von der Erde verſchwunden war, ſtroͤmten aus allen Gauen des deutſchen Reichs Juͤnglinge nach der kleinen Univerſitätsſtadt, um ſeines Geiſtes theil⸗ haftig zu werden; denn alle Lehrer ſind dort von ſeinem Geiſte ergriffen und erfullt, vorzuͤglich mein junger edler Freund Philipp Melanchthon, ſelbſt noch ein Juͤngling und doch ſchon einer der gelehrteſten und klarſten Koͤpfe und eines der wärmſten und edelſten Herzen.“
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