Der deutſche Kaiſer. 313
gendfriſche in ihre Züge gebannt hatte. Kaum traute er ſei⸗
nen Augen, und eine Minute lang ſtarrte er ſie ſprachlos an.
„Ich bin's, mein Johann!“ rief ſie zärtlich.„Es iſt Deine liebeſieche Ineſe, die nicht länger ohne Deine Küſſe leben kann. Mein Trotz iſt beſiegt, ich werfe mich liebeflehend an Deine Bruſt.“
Und die ſchönere That folgte unmittelbar den ſchönen Worten.
Und Du willſt wieder ganz mein ſein, herrlichſtes aller Weiber?“ rief der Fürſt wonnetrunken.
„Ganz Dein wie ſonſt. All mein Groll iſt verſchwun⸗ den vor der Liebe zu Dir, die mich ganz bezaubert hat, ſo daß ich Dir nachgelaufen bin, wie Du ſiehſt. Kann * ich Dir einen ſchönern, für Dich ſchmeichelhaftern Beweis
von Deiner unwiderſtehlichen Macht über mich geben?“ Der Markgraf überließ ſich dem Entzücken, welches ihm dieſe Worte bereiteten; er überglühte den ſüßen Mund, der ſich ihm ſo verlangend entgegenbot, mit feurigen Küſſen. „Willſt Du mir dieſe Nacht ſchenken, göttliches Mädchen?“ „Ich flehe Dich darum, ſie mir zu ſchenken, mein Johann.“ „Das ſoll wieder eine ſelige Nacht werden.“ „Eine ſelige Nacht!“ ſagte ſie mit ſcharfer Betonung. „Ich reiße mich jetzt los von Dir, um die Königin . tänſchen in Bezug auf dieſe Nacht und einige Vor⸗ kehrungen zu treffen. Ich bringe einen herrlichen Malaga mit, feurig wie unſte Liebe. Mit ihm wollen wir unſte Wiedervereinigung feiern.“ Ein deutſcher Leinweber. Vl. 21
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