308 Der deutſche Kaiſer.
und die Höllenbraut auf dem Alkazar in den Dienſt des Teufels gerathen ſei. Sobald Maria von dieſen pfäffiſchen Bemühungen erfuhr, erſuchte ſie die Freundin auf der Citadelle und deren Dienerin Toledo zu verlaſſen. Donna Ineſe hatte ihre Abreiſe ſchon ſeit einiger Zeit vorbereitet; denn der finſtere Racheplan, den ſie mit Aya geſchmiedet, war zur Ausführung gereift. Auch ohne Maria's Wunſch war Ineſe's Bleiben nicht mehr in Toledo. In einer dunkeln Oetobernacht ſchieden ſie. Lange lagen ſie ſich in den Armen. Ineſe blieb finſter und verſchloſſen; Maria tief bewegt. Was war aus den kühnen und großartigen Plänen dieſer beiden hochbegabten Frauen geworden! Sie verhehlten ſich ihre Lage nicht. Ineſe hatte mit dem Leben abgeſchloſſen und gab ſich der ſchweigenden Troſtloſigkeit hin; Maria war entſchloſſen bis ans Ende zu kämpfen; ſie hatte wenigſtens das Vertrauen auf ſich ſelbſt aus dem verheerenden Sturme gerettet z Ineſe hatte es verloren. Die Entfernung der zauberiſchen Maurin und des böſen Geiſtes half Maria nichts mehr. Die Kleriſei fuhr fort das Volk mit immer größerm Eifer gegen ſie ein⸗ zunehmen, und dies geſchah mit um ſo mehr Erfolg, als die Nachricht einlief, daß der junge Erzbiſchof in den Niederlanden, in Folge eines Sturzes vom Pferde, ge⸗ ſtorben war. Bald darauf wurde auch der Tod des Herrn von Chievres in Caſtilien bekannt; der Verführer des Königs war nicht mehr!— So kam es ſchon nach wenig Wochen in Toledo zu einem Auflauf. Das zuſam⸗


