Der deutſche Kaiſer. 299
wolle ſie jetzt eine Anleihe machen zur Führung des hei⸗ ligen Kriegs. Die Domkirche ſei reich an Schätzen, die man in dieſer äußerſten Noth zur Förderung der Sache Gottes und des Volkes benutzen müſſe. Weil ſie aber zu dieſer traurigen Nothwendigkeit gezwungen ſei, habe ſie mit ihren Leuten Trauer angelegt und erſuche alles Volk, ſich mit ihr vor Gott und den Heiligen zu demü⸗ thigen und ſie wegen dieſes Nothſchrittes um Verzeihung zu bitten.
Das Volk gab ihr laut ſeine Zuſtimmung zu erkennen und ſtrömte ihr nach in die Kirche. Die Geiſtlichen wag⸗ ten nicht, ſich einer ſolchen Macht zu widerſetzen. Maria warf ſich vor dem Hauptaltar nieder, ſchlug ſich weinend an die Bruſt und rief in einem glühenden laut geſprochnen
Gebet Gott und die Heiligen an, dem Volke zu helfen und ihr zu verzeihen, daß ſie das Kirchengut als die erbetene Hülfe betrachte und verwende. Dann nahm ſie alle koſtbaren heiligen Gefäße aus den Schreinen und zog damit in die Münze, um ſie in Geld verwandeln zu laſſen. Dadurch verſchaffte ſie der Junta bedeutende Mittel und zog ſie aus der Verlegenheit.
Die Regentſchaft, durch dieſen außerordentlichen Schritt belehrt, daß die Junta das Aeußerſte anzuwenden bereit ſei, wurde bedenklich und beſchloß den Weg der Güte zu verſuchen, und ſie war um ſo eher zu einem Vergleich geneigt, als auch ihr die Geldmittel aus denſelben Ur⸗ ſachen zur Führung des Bürgerkriegs fehlten, und ſie
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