Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Karl von Spanien : Roman in drei Theilen : Der deutsche Kaiser : 3. Theil (1848)
Entstehung
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30 Der deutſche Kaiſer.

Es wurde ihr willfahrtet, und obgleich es wiederum nur Trauerkleider waren, die man ihr anlegen durfte, ſo waren es doch diesmal die einer verwittweten Königin.

Die Geſchwiſter traten paarweiſe herein, voran Karl und Eleonore, dann Ferdinand und Katharina. Zitternd vor Rührung und Aufregung eilten die erſtern auf ihre Mutter los, ergriffen ihre Hände und küßten ſie weinend. Die unglückliche Frau lächelte mild; ein Sonnenblick, wie er ihr nur ſelten zu Theil ward, flog über ihre abge⸗ magerten verkümmerten Züge. Sie neigte ſich zu den beiden, betrachtete ſie ſcharf und aufmerkſam, als ſuche ſie Philipps Züge in den ihrigen zu entdecken, und als ihr dies wahrſcheinlich gelungen war, küßte ſie ſie auf die Stirnen. Karl weinte heftig. Mehre Minuten lang wurde kein Wort geſprochen; endlich fragte die Königin, wie aus tiefer Vergeſſenheit:„Wie heißt Ihr, meine ſchönen Kinder?“

„Ich bin Karl, Ew. königlichen Hoheit älteſter Sohn und gehorſamſter Diener.“

„Und ich Eleonore, Eure erſtgeborne, Euch in treuer Liebe ergebene Tochter. Als Ihr mich verließt, war ich ſieben Jahre alt, und ich habe meinem Bruder Karl und meinen Schweſtern Iſabella und Maria oft von Euch er⸗ zählt. Und was ich nicht wußte, daß berichtete uns die gute Tante Gretchen, die immer von Euch ſprach und uns ermahnte Euch recht lieb zu haben. Sie ſchickt Euch durch uns ihre ſchweſterlichen herzlichen Grüße.“