28 Der deutſche Kaiſer.
über ſei. Unterdeſſen war auf Chievres Anſtiften, Vivian de la Chaux nach Madrid zurückgeſchickt worden, um mit dem Dechanten Adrian nöthige Regierungsarbeiten zu verrichten, und der König hörte nun von Allen, die um ihn waren, und die ihm nahten, Niederländern und Spa⸗ niern, tadelnde Bemerkungen über die Regierung des Car⸗ dinals. Mit Vorſicht ging man zu Werk, um die Ach⸗ tung, welche Karl vor Fimenes gefaßt, allmälig zu ver⸗ nichten, und von Andeutungen gingen die Schlauen zu übertriebenen Erzählungen von des Cardinals Willkür, ſeiner unbeugſamen Härte und ſeiner durch die Grämlich⸗ keit des Alters noch mürriſcher gewordnen Sinnesart über. Man ſprach von Ungerechtigkeiten, ja von Grauſamkeiten, die ſich der Verweſer ſollte zu Schulden haben kommen laſſen und malte ihn dem jugendlichen Gemüth, auf welches all dieſe böſen Worte den tiefſten Eindruck machten, immer ſchwärzer. Karl fing an ſich vor der Erſcheinung des Cardinals zu fürchten, und dies hatte Chievres beabſich⸗ tigt. Er war nahe daran, ſein Ziel zu erreichen.
Der König ſollte nun nach Valladolid geführt werden, und dieſe große und volkreiche Stadt, die am unzufrie⸗ denſten mit Kimenes' Regentſchaft geweſen war, machte weit umfaſſende Anſtalten zu ſeinem Empfange. Karl aber fühlte eine unbezwingliche Sehnſucht nach ſeiner Mut⸗ ter, und Eleonore theilte ſie. Die königlichen Geſchwiſter ließen ſich nicht länger zurückhalten; Karl ſandte ſein Ge⸗ folge nach Valladolid mit der Meldung, daß es ihn in


