Der deutſche Kaiſer. 25
mußte den König ſo lange im Norden des Reichs aufzu⸗ halten ſuchen, bis man ihn ſo gegen Fimenes eingenom⸗ men, daß er die Zuſammenkunft mit demſelben verwei⸗ gerte. Vielleicht beabſichtigte Chievres auch einen aber⸗ maligen Angriff auf das Leben des Cardinals; vielleicht erwartete er von der Natur, die über dem Haupte eines Achtzigjährigen ſtets ihr Mordſchwert ſchwingt, dieſen Dienſt. Alle dieſe Dinge waren in das tiefſte Dunkel des Geheimniſſes eingehüllt. Uebrigens war es, trotz aller kindiſchen Charakterſchwäche des Königs, nicht ganz leicht, ihn dergeſtalt gegen Kimenes einzunehmen, daß er, aller Pietät vergeſſend, den gewaltigen und ehrwürdigen Greis auf beleidigende Weiſe abweiſen ſollte; denn Karl hatte Augenblicke, wo ſein Geiſt, der ſich ſpäter zu ſo kräftiger Selbſtſtändigkeit entwickelte, bereits die Flügel regte, und wo aus ſeinem immer lebendiger werdenden Auge bereits die einſichtsvolle Kraft blitzte, die ihn zu einem der größ⸗ ten Herrſcher gemacht hat. Und auf der andern Seite waren Kimenes Beſtrebungen und Handlungen für die Krone zu offenkundig und ließen durchaus keine ſchiefe Deutung zu, als daß ein offner Kampf gegen ihn klug und ſtatthaft geweſen wäre. Ja was für Chievres' und ſeiner Verbündeten geheime Wünſche das Schlimmſte war, Einer von ihren Landsleuten, der dem Könige zunächſt ſtand, redete, erfüllt von imenes' moraliſcher Größe, dieſem bei Karl das Wort, und dies war der ehrliche fröhliche Vivian de la Chaur. So wenig dem leichten


