Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Karl von Spanien : Roman in drei Theilen : Der deutsche Kaiser : 3. Theil (1848)
Entstehung
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22 Der deutſche Kaiſer.

die Kleine an die Bruſt und küßte ſie, und die äiltere Schweſter umarmte den verzagten Ferdinand und legte ihn dann mit zärtlichen Worten in Karls Arme. Und da Herr von Chievres nicht für nöthig fand, jetzt ſeinem Zögling zur Seite zu ſein, ſo überließ ſich dieſer jugendlich wahren Gefühlen. Außer der neunzehnjährigen Eleonore waren ſie Kinder und gaben ſich einander als Kinder hin. Von Fernandos ſträflichen Abſichten auf die Herrſchaft war mit keinem Worte die Rede.

Die eaſtiliſchen Stände und die Hauptſtadt Bourgos hatten zwar ihrem Herrn einen glänzenden Empfang be⸗ reitet und gaben ihm und ſeinen Geſchwiſtern reiche Feſte, aber ſie verweigerten ihm hartnäckig den Königstitel und nannten ihn nur durchlauchtiger Prinz, weil ſie allein die Donna Juana als ihre Königin anerkannten, und Herr von Chievres war ſchlau genug einzuſehen, daß bei der unverkennbaren Stimmung dieſes ſtolzen Volks mit Strenge nichts auszurichten ſei, und daß er den bequemern und ſicherern Weg der Intrigue einzuſchlagen habe, um zum gewünſchten Ziele zu gelangen.

Zwei Tage nach Ankunft der beiden Geſchwiſter des Königs traf auch der Dechant Adrian und mit ihm die Beiſitzer des großen Raths in Bourgos ein. Karl erwi⸗ derte die Begrüßung ſeines Lehrers mit großer Freude; am willkommenſten war ihm aber Vivian de la Chaur, und er plauderte Stunden lang allein mit ihm und ließ ſich über die Dinge, welche ihn am meiſten intereſſirten,