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Das Maiblümchen / Harriet Stowe, geb. Beecher
Entstehung
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Das Maiblümchen. 3

wir zum Beiſpiel unſere Taſchentücher in Kaninchen verwandelten, oder verſtohlen die Aepfel und Pfefferkuchen zum Vorſchein brachten, die wir zur Sonntagsmahlzeit mitgebracht, oder einen frommen ebenfalls zur Kirche gekommenen Hund, der von Zeit zu Zeit ſtill und beſcheiden durch den breiten Kreuzgang trippelte, an den Ohren zupften. Aber wehe uns, wenn wir während dieſer verpönten Streiche das glattgeſtriegelte Haupt des Diaconus Abram hinter dem Rande des Kirchvaterſtuhles auf⸗ tauchen ſahen. Urplötzlich verſchwanden dann ſämmtliche Aepfel, Pfefferkuchen und Taſchentücher und wir ſaßen alle mit gefaltenen Händen da und ſahen ſo geſetzt aus, als ob wir jedes Wort der Predigt verſtünden und noch viel mehr.

nhr ſo groß war der Abſtand zwiſchen dieſen beiden Diaconen in ih⸗ ren gottesdienſtlichen Verrichtungen, wenn, wie dies oft der Fall war, die Abweſenheit des Paſtors ihnen die Pflicht auferlegte, den Gottesdienſt zu leiten. Daß Gott groß und gut ſei uend daß wir alle Sünder wären, dies waren Wahrheiten, welche das Herz des Diaconus Enos vollſtändig zu er⸗ füllen ſchienen, ſo daß ſeine innerſte Seele davon durchdrungen war. Bei Diaconus Abrams war es eine unbeſtrittene Thatſache, über welche er ſchon längſt im Reinen war und in Bezug auf welche er die Ueber⸗ zeugung hegte, daß kein vernünftiger Zweifel dagegen geltend gemacht werden könne und die geſchäftige rührige Art und Weiſe, womit er die Sache behandelte, ſchien zu ſagen, daß er dies und außerdem noch eine Menge andere Dinge wiſſe.

Diaconus Enos war wegen der Friedfertigkeit ſeines Weſens und der grenzenloſen Nächſtenliebe, womit er die Fehler Anderer bedeckte und ent⸗ ſchuldigte, in der Nähe und Ferne förmlich ſprichwörtlich geworden. So lange in einem Falle, wo es ſich um eine Miſſethat handelte, noch irgend ein Zweifel zuläſſig war, vermuthete Diaconus Enos,der Mann habe es am Ende doch nicht böſe gemeint, und wenn das Vergehen für dieſe Ent⸗ ſchuldigung nackt zu Tage trat, meinte er allemal,es ſei am beſten, nicht viel darüber zu ſprechen, denn es wiſſe Niemand, wozu er ſelbſt noch verleitet werden könne.

Einige Vorfülle aus ſeinem Leben werden dieſe Charakterzüge noch heller beleuchten. Ein gewiſſer verſchmitzter Gutsbeſitzer, Namens Jones, der im Punkte der Ehrlichkeit nicht im beſten Rufe ſtand, verkaufte an Dia⸗ conus Enos ein werthvolles Grundſtück und erhielt das Geld dafür, ver⸗ zögerte aber unter verſchiedenen Ausreden die Ausſtellung der Kaufsur⸗ kunde. Bald nachher ſtarb er und zum Erſtaunen des Diaconus war die Urkunde nirgends zu finden, während gerade daſſelbe Grundſtück teſtamenta⸗ riſch einer von ſeinen Töchtern vermacht war.

Der Diaconus ſagte, es ſei ſehr auffallend; er habe allerdings immer gewußt, daß Seth Jones etwas geldgierig ſei, aber daß er eine ſo offen⸗ bare Gottloſigkeit begehen würde, das häkte er nicht gedacht. Und der alte Mann ging zu Sauire Abel, um die Sache vorzutragen und zu ſehen, ob ſich in derſelben etwas thun ließe.

Ich rede durchaus nicht gern davon, ſagte er, aber Squire Abel, Ihr wißt, Mr. Jones war war was er war, das ſage ich, wenn er gleich todt iſt!

Dies war der härteſte Ausdruck, deſſen der alte Mann fähig war,

wenn er ſich genöthigt ſah, einem Todten etwas Schlimmes teen .