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Inſtituts und den Profeſſoren bewohnt. Es giebt auch andere Gebäude von anſpruchsvollerem Aeußern, in welchen ſich Banquiers, Kaufleute und voht habende Particuliers angeſiedelt haben. Das ſo entſtandene Dörfchen führt den Namen Walnut⸗Hills(Wallnußberge) und gehört zu den Zierden der Um⸗ gebungen Cincinnati's.
Mehrere Jahre nach ihrer Ankunft an dieſem Ort fuhr Harriet Beecher fort, in Gemeinſchaft mit ihrer Schweſter als Lehrerin zu wirken, bis zu ihrer Heirath mit Calvin E. Stowe, Profeſſor der bibliſchen Literatur an dem Se⸗ minarium, dem ihr Vater vorſtand. Herr Stowe galt ſchon damals für einen der ausgezeichnetſten Theologen Amerika's. Nachdem er im Bowdoin⸗Kollegium, im Staate Maine, promovirt hatte, war er zum Profeſſor am Dartmouth⸗Kol⸗ legium im Staate New⸗Hampſhire ernannt worden, von wo er einem Ruf an das Lane⸗Seminarium folgte. Mrs. Stowe's eheliches Leben liefert ein Bild jenes gleichmäßigen und nüchternen Glückes, welches in den Familien amerikaniſcher Geiſtlichen ſo gewöhnlich iſt. Von einer zahlreichen Nachkommen⸗ ſchaft, mit der es geſegnet wurde, befinden ſich noch fünf am Leben. Mrs. Stowe hat oft am Krankenbette ihrer Lieben gewacht und den Kummer gekannt, der allen andern Schmerz überſteigt— den einer Mutter, der ihr Kind ent⸗ riſſen wird. Einen großen Theil ihrer Zeit hat ſie der Erziehung ihrer Kinder gewidmet, während die gewöhnlichen häuslichen Geſchäfte von einer Freundin oder entfernten Verwandten beſorgt wurden, die ſeit ihrer Verheirathung bei ihr gewohnt hat. In ihren Mußeſtunden ſchrieb ſie Aufſätze über verſchiedene Gegenſtände, Erzählungen und Novellen für Magazine und Zeitungen. Ihre Schriften, in welchen ſich ein hoher moraliſcher Sinn äußerte, fanden verdienten Beifall. Nur ein kleiner Theil von ihnen iſt in der ſchon erwähnten Samm⸗ lung,„The May Flowere enthalten. Kurz, das Leben Harrlet Stowe's, in literariſchen Beſchäftigungen, häuslichen Freuden und Sorgen und dem Um⸗ gang mit religiöſen und intelligenten Freunden verbracht, würde ſo ruhig und glücklich dahingefloſſen ſein, wie es ſich nur mit den Wechſelfällen des menſch⸗
ichen Daſeyns verträgt, wäre es nicht jeden Augenblick durch den unheilbrin⸗ genden Schatten der Sklaverei verfinſtert worden.
Dieſe„eigenthümliche Inſtitution des Südens“ war beſtimmt, das Lebens⸗ ziel des alten Beecher und ſeines Schwiegerſohns zu vereiteln. Als ſie Beide ihre geſicherte Stellung in den öſtlichen Staaten aufgaben, um eine große presbyterianiſche Lehranſtalt im Thale des Ohio zu errichten, thaten ſie es nit aller Ausſicht auf Erfolg. Nie wurde ein pädagogiſches Unternehmen unter i Auſpizien begonnen. Der Name und die Zahl der Profeſſoren hatte viele Hundert Studirende aus allen Theilen der Union an⸗ gezogen, und zwar nicht ſchwächliche Treibhauspflanzen, die Kinder reicher Aeltern, ſondern rüſtige und intelligente junge Leute, welche ſich unter Arbeit und Entbehrungen zu einem höheren Wirkungskreiſe vorbereiteten. Ein Jahr lang ging Alles gut. Das Seminar war der Stolz und die Hoffnung der Kirche. Jum Unglück hatte dieſer erfreuliche Zuſtand nur eine kurze Dauer.
Die franzöſiſche Revolution von 1830, die Bewegung in England, welche zu der Aufhebung der Negerſklaverei in Weſtindien führte, die Verurtheilung von amerikaniſchen Bürgern zu Geldſtrafen und Gefangenſchaft, weil ſie den Sklavenhandel im Innern der Republik angegriffen hatten— alles dieſes hatte dazu beigetragen, die Aufmerkſamkeit einiger amerikaniſcher Philanthropen auf die Uebel der Sklaverei zu richten. Einige Jahre zuvor war ein Verein gebildet worden, der den Zweck verfolgte, Kolonieen von freien Negern an der Küſte Afrika's anzulegen. Der Plan wurde von manchen Sklavenhaltern


