Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Karl von Spanien : Roman in drei Theilen : Der König von Spanien : 2. Theil (1848)
Entstehung
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Der König von Spanien. 325

würde Glück gewünſcht. Beide gingen in lebhaftem Zwie⸗ geſpräch, Arm in Arm im Zuge.

Nach einander traten mehre Nürnberger und Augs⸗ burger Meiſter auf, unter ihnen auch der alte Nunnenbeck. Sie behandelten herkömmlicher Weiſe bibliſche Geſchichten, und einer der drei gravitätiſch vor dem Altar(dem ge⸗ genüber der Singſtuhl aufgeſtellt war) in ehrwürdiger Tracht ſitzenden Merker, hatte die lateiniſche Vibel vor ſich liegen, um nachzuleſen, ob der Bar ſich auch ſtreng an den heiligen Tert halte. Der eintönige Geſang der un⸗ gebildeten und meiſt klangloſen Stimmen galt in jener beſcheidnen Zeit für einen Kunſtgenuß. Endlich betrat Hans Sachs den Singſtuhl. Die Tauſende von Zuhörern, welche dichtgedrängt in der Kirche verſammelt waren, horch⸗ ten mit geſpannter Aufmerkſamkeit. Todtenſtille herrſchte in den menſchenerfüllten weiten Räumen. Des jungen Schuſters Ruhm war ſchon vor ihm nach Augsburg ge⸗ kommen. Und er machte zu Aller Ueberraſchung eine Ausnahme. Er beſang die wunderbare Rettung des Erz⸗ herzogs Marx, des kühnen tiroler Gemſenſchützen, von der Martinswand. Begeiſterung ſchwellte ſeine liebliche Stimme zu erhöhter Kraft, ſeine Geſtalt gewann einen kühnen Ausdruck, ſein Auge leuchtete von dem Feuer, das in ſeiner Seele entglommen war. Er hatte zu ſeinem neuen Bar auch eine neue Weiſe erfunden und ſie die Marweiſe genannt. Die Merker nickten ihm Beifall zu; alle Nürnberger blick⸗ ten ſtolz auf ihn. Und als er nun Gott lobend und