Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Karl von Spanien : Roman in drei Theilen : Der König von Spanien : 2. Theil (1848)
Entstehung
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Der König von Spanien. 301

krämern für Nothdurft und Prunk, den Schankwirthen für Schwelgerei des Leibes, oder den Brüdern Domini⸗ kanern für das Heil der Seele zu wenden ſollten. Siehe da wurde für einen ſchrecklich ausſehenden in eckle Lum⸗ pen gehüllten Bettler, der an allen Gliedern gelähmt, ächzend und ſtöhnend auf zwei Krücken herbei humpelte, Platz gemacht. Der ſchwarzbraune Menſch ſchien aus dem Grabe erſtanden zu ſein, klagte ſich mit mühſamer Rede ſchwerer Sünden an und bettelte mit einer lauten Um⸗ ſtändlichkeit, die offenbar darauf gerichtet war, allgemei⸗ nes Aufſehen zu erregen, rings herum, um ſich auch einen Ablaßbrief zu kaufen. Der Bruder Obercommiſſar rief ihn endlich herbei und ſprach ihm Troſt zu, er möge nur einige Kreuzer opfern, damit er doch ein Opfer ge⸗ bracht. Kaum hatte der gebrechliche Menſch den Ablaß⸗ brief in der Hand, als er das Kreuz und die Dornen⸗ krone, das feurige Herz und die durchnagelten Hände und Füße Chriſti, welche darauf abgebildet waren, inbrünſtig küßte, wie auf dem Briefe vorgeſchrieben war, ja in einem Anfall begeiſterter Frömmigkeit verſchluckte er plötzlich den ganzen Brief. Kaum war dies geſchehen, ſo ſtieß er einen lauten Schrei aus, warf die Krücken von ſich und wandelte aufrecht und geſund, die Gnade Gottes, die ihm ſeine Sünden vergeben, preiſend, vor aller Augen.„Ein Nirakel!“ ſchrieen die Mönche.„Ein Mirakel!“ brüllte das Volk wie wahnſinnig ihnen nach, und die Kunde durchlief im Nu die ganze Kirche Alle wollten den durch