Der König von Spanien. 11
unterhielt auch ſeine Spione, wie ehemals, am brüſſeler Hofe, und die ſtolzen vornehmen Leute waren deshalb gegeneinander ſehr vorſichtig, da Keiner wußte, ob er dem Andern trauen durfte. Alle fanden aber einen ge⸗ meinſamen Anziehungspunkt bei der Gräfin Cardona, und obgleich ſie Vielen als ehemalige Hofdame der Königin Juana bekannt war, ſo zählten die Caſtilier ſie doch nicht zur Partei des Königs Ferdinand, da die Sage ging, ſie ſei wegen eines Minnehandels ungnädig von der Königin entlaſſen worden. Die Anhänger und geheimen Geſandten des Königs Ferdinand hatten immer Luſt, in ihr eine Verbündete zu ſehen, wiewohl ſie ihres eignen Vortheils wegen weislich vermieden, ſie dafür auszugeben. Wer konnte überhaupt mit Gewißheit ſagen, zu welcher Partei dieſes ſtets ſo offen ſcheinende, heitere, reizende Weib, das alle Männer feſſelte, eigentlich gehörte und welche Zwecke ſie verfolgte? Schien ſie doch nur der Luſt und den Zerſtreuungen des Hofs zu leben und mit ihrem Liebeszauber Alles in ihrer Nähe zu beherrſchen. Der Gedanke, daß ſie wohl verborgene Pläne verfolge, kam faſt Niemand zu Sinne, und ſelbſt die Erzherzogin Mar⸗ garetha, obgleich von Fuggers ausgeſprochenem Verdacht angeregt, hatte jedes Mistrauen gegen die Gräfin fahren laſſen und ihre reine kindliche Dichterſeele der fremden anmuthigen und lieblichen Jungfrau hingegeben.
Kurz vor dem Ordensfeſte waren wieder mehre caſti⸗ liſche Hidalgos in Brüſſel angekommen, und unter ihnen


