Der König von Spanien.*
Das Hochzeitfeſt zu Brüſſel ſchloß ſich gleichſam an das zu Wien an und war nicht minder prachtluſtig. Eine zahlloſe Menſchenmenge aus den brabantiſchen, flandriſchen und holländiſchen Städten war in der alten belgiſchen Hauptſtadt zuſammengeſtrömt, und der junge Herzog des Landes zeigte ſich zuerſt ſelbſtändig als Feſtgeber und ent⸗ faltete eine Prunkliebe, die einen Verſchwender in ihm be⸗ fürchten ließ. Aber er handelte nicht nur im Sinne ſei⸗ nes kaiſerlichen Großvaters, der die Welt mit Ehrfurcht und Staunen vor der Macht und dem Glanze des öſtrei⸗ chiſchen Hauſes erfüllen wollte, die Schwäche der Men⸗ ſchen, ſich vor dem Golde ſklaviſcher zu beugen, als vor dem Schwerte, wohl kennend und berechnend; ſondern auch nach dem Willen des niederländiſchen Adels und der Stände, in welchen ein unbändiger Stolz erwacht war, daß ihr Herzog König von Caſtilien und Aragonien und der neuen Welt werden würde. Von dem Tage an, wel⸗ cher den Erzherzog, oder, wie er allgemeiner und prunken⸗ der genannt wurde, den Prinzen Karl von Spanien als ſelbſtſtändigen Herzog begrüßt hatte, war am Hofe in Brüſſel ein Aufwand und eine Pracht entfaltet wor— den, die an die Zeiten Karl des Kühnen erinnerten und gegen die Einfachheit des Regiments der Erzherzogin Statt⸗ halterin auffallend abſtachen. Es war eben der Hofhalt eines Königs, und zwar eines Königs von Spanien, dem unerſchöpfliche Quellen des Reichthums, wenn auch noch nicht zu Gebote, aber doch in naher Ausſicht ſtanden.


