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Der Herzog von Burgund und Niederland. 269
neben ihnen ſtanden abermals Fürſten und Grafen und vornehme Frauen und Fräulein. Zur Linken des Chors hatten die geiſtlichen Fürſten ihren Platz nebſt ihren Prä⸗ laten und Pröbſten. Der Biſchof von Wien hielt das Hochamt, und die kaiſerliche Hofkapelle muſicirte. Dann hielt der Kaplan des Cardinals von Gurk, Richard von Peruſia, eine Rede.— Der Kaiſer erhob ſich. Er trug eine rothſammtne Schaube, und das güldne Vließ hing
um ſeinen Hals. An ſeinem rothſammtnen Baret ſtrahlte
ein großer Diamant. Sein ganzer Anzug war auf eine MWillion Goldes geſchätzt. Gemeſſnen Schritts verfügte er ſich in die Sakriſtei; die hohen Reichswürdenträger folgten ihm. Hier ließ er ſich den ganzen kaiſerlichen Ornat an⸗ legen und die Krone aufſetzen. Die Fürſten trugen ihm Reichsapfel, Scepter und Schwert vor, und alſo trat der Kaiſer des heiligen römiſchen Reichs deutſcher Nation in ſeiner Majeſtät wieder in den Chor und auf das mittlere Geſtühle. Ein ungariſcher und ein böhmiſcher Großer führten ihm die Prinzeſſin Anna zu, und der Cardinal von Gran vermählte ſie dem Kaiſer als Stellvertreter eines ſeiner Enkelſöhne. Nach Auswechslung der Trau⸗ ringe, redete der Kaiſer die Prinzeſſin alſo an:„Im Na⸗ men unſrer beiden abweſenden Enkel haben wir Ew Liebden jetzt das Wort der Vermählung gegeben, ſo daß Ihr an einen derſelben von heute an vermählt und ehelich ver⸗ ſprochen ſein ſollt; und weil mein Enkel Karl die König⸗ reiche Caſtilien und Aragonien, ingleichen ſein Bruder


