Der Herzog von Burgund und Niederland. 265
jubelnd ein. Als der Tag ſich zu neigen begann, ließ der Kaiſer den Königen und ihrer Begleitung das Nacht⸗ lager in den benachbarten Städtchen, Flecken, Schlöſſern und Dörfern anweiſen. Er ſelbſt übernachtete mit den Seinigen in Larenburg. Der Tag war bis zu Ende hell und freundlich geweſen.
Der folgende Morgen brachte Regen, der den ganzen Tag anhielt, wodurch die Freude des Einzugs in Wien geſtört wurde. Was nicht zum Zuge ſelbſt gehörte, eilte Rennens nach Wien, um in die Herberge zu kommen.— Es zogen aber den Königen aus der Stadt 1500 Bürger und Bürgerſöhne, alle in Roth gekleidet, eine Viertel⸗ meile entgegen. Dieſen folgten die 600 Mann Fußvolk vom Reich mit fliegenden Fahnen. Bis an das Thor gingen entgegen alle Ordensperſonen, welche alles Heil⸗ thum der Stadt Wien mit ſich trugen. Hinter ihnen zogen die Schulknaben in großer Menge, jeder mit einem Fähnlein einher. Hierauf die ganze Prieſterſchaft der Stadt Wien, die Profeſſoren und Studenten der Univerſität und endlich die Handwerkszünfte mit ihren Fahnen, deren an ſechszig gezählt wurden.
Der Einzug dauerte über zwei Stunden, und waren über viertauſend Pferde. Doch verdarb der anhaltende Regen alle Freude. In der Stadt angelangt, verfügten ſich die königlichen Perſonen in die St. Stephanskirche, an deren Haupteingang ſie der Biſchof Georg von Wien inmitten ſeiner Prieſter empfing und über ſie den Segen
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