264 Der Herzog von Burgund und Niederland.
Sobald der Kaiſer den Baum erreicht hatte, ließ er die Decke von ſeiner Sänfte nehmen. Sogleich naheten ihm die beiden Könige und die königlichen Kinder. Und weil Wladislav nicht gut auf ſeinen Beinen ſtehen konnte, ſo war vorher ſchon ausgemacht, daß kein königlicher Fuß in Bewegung geſetzt werden ſollte. Die beiden Sänften wurden dicht aneinander geſtellt, Sigismund und Ludwig hielten zu Pferd auf der einen, der Wagen Anna's auf der andern Seite. Maximilian reichte ihnen nach einander die Hand und ſprach den lateiniſchen Oſterfeſtſpruch:„Dies iſt der Tag, den der Herr gemacht hat; laſſet uns ſeiner freuen und fröhlich ſein!“ Sigismund erwiederte eben⸗ falls lateiniſch:„Nun wolle Gott, das dieſe unſre Zu⸗ ſammenkunft der ganzen Chriſtenheit nützlich und heilſam ſein möge!“— Und weil Wladislav für ſich ſelbſt nichts zu ſprechen wußte, ſo wiederholte er mit Weinen dieſe Worte ſeines Bruders. Drauf unterhielt ſich der Kaiſer mit den beiden ungariſchen Königskindern, und ſie blieben ihm keine Autwort ſchuldig und wußten mehr zu ſprechen als ihr Vater.—
Die Unterhaltung der Könige dauerte an anderthalb Stunden. Dann wurde im nahen Walde eine kleine Jagd abgehalten und ein Hirſch gefangen. Hierauf begann das Banket an Tafeln, die am Waldrande errichtet waren. Alles Volk aber lagerte ſich um zu eſſen und zu trinken. Die Könige thaten auf die neue Freundſchaft und Ehe⸗ verbindung manchen guten Trunk, und ihre Heere ſtimmten


