364 Die Königskrone.
einander an. Die erſten oder die Muſterhäuſer, nach welchen die andern gebaut werden ſollten, gingen ihrer Vollendung mit raſchen Schritten entgegen.
Frau Sibyhlle liebte es, ihren Ehegemahl auf die Bauſtätte auf dem Kappenzipfel zu begleiten und ihm guten Rath zu geben, wol auch ſelbſt anzuordnen, und er war gutmüthig genug, oft ihrem Wunſche nachzu⸗ geben und die baulichen Einrichtungen nach ihren An⸗ gaben zu treffen. Auch theilte das Ehepaar täglich hier Wecken und Geld unter die armen Kinder aus, welche alle beim Bauen beſchäftigt wurden.
Eines Tages ſtanden ſie in traulichem Zwiegeſpräch zuſammen und betrachteten mit Wohlgefallen das erſte nun bald fertige Häuslein; da wankte eine zerlumpte Bettlerin auf ſie zu. Jakob fuhr raſch in die Taſche, um ihr ein Almoſen zu verabreichen; in demſelben Augenblick fiel das Weib mit einem dumpfen Schmer⸗ zensruf ohnmächtig zu Boden und lag regungslos vor den Füßen des erſchrockenen Ehepaares. Jakob ſprang hülfreich hinzu, um das arme erſchöpfte Weib aufzu⸗ richten, er hatte aber kaum Hand an ſie gelegt, als er ſeiner Wirthin mit wahrem Entſetzen zuraunte: „Steh' uns Gott bei und alle heiligen Nothhelfer! Es iſt ja die Frau Eleonore van der Voort.“
—„Schnell laß ſie in das Häuslein tragen und verhüll' ihr das Geſicht, damit ſie Niemand weiter erkennt!“ ſagte Sibylle beſorgt.„Wenn's Nacht ge⸗
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