Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Reise nach Spanien : 2. Theil (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

nach Spanien. 353

Gauen, geht eine Tollheit durch ihre Köpfe, ſie wollen nicht mehr weltliches, nicht mehr geiſtliches Regiment dulden. So iſt Feindſchaft zwiſchen Bauer und Fürſt, zwiſchen Fürſt und König, und es gährt und tobt wie in einem Faſſe voll Weinmoſt. Wärſt du nicht der Schwiegerſohn und Erbe der ſpaniſchen Könige, mich hätte ſchon Wenzels Schickſal betroffen; ſie fürchten ſich nur vor der Macht. Wärſt du nicht Herr von Burgund und Niederland, ſie ſpielten mit mir, wie die Katze mit der Maus. Da ſieh, wie richtig mein ſtets verfolgter Plan war, dem Hauſe Oeſtreich zu Macht und Reichthum zu verhelfen. Nur der Reiche und Mächtige iſt der Angeſehene und Gefürchtete. Nur Gold und Schwert im Verein vermögen Großes zu wirken; darum höre nun mein Schlußwort und nimm es dir wohl zu Herzen: Verzichteſt du heute auf die ſpaniſchen Kronen, ſo verzichte ich morgen auf die deutſche. Mit der Hoffnung auf die ſpaniſche Erbſchaft weicht der Boden unter unſern Füßen, und ich habe nicht Luſt zu warten, bis mir die Kurfürſten die Krone vom Haupte ſchlagen; ich will ſie ihnen ſelbſt vor die Fiße ſchleudern. Gibſt du aber den kindiſchen, tollen Gedanken auf, ſo geſtaltet ſich im Nu Alles anders. Der Papſt iſt todt; man ſagt, der alte Giftmiſcher habe aus Verſehen einen Giftbecher geleert, den er für einen Cardinal bereitet. Der neue Papſt wird mir den Zug nach Rom leicht machen. Die Franzoſen haben

Ein deutſcher Leinweber. II.. 23